Gemeinde fördert Abriss verfallener Häuser
Morbach/Merscheid · Leerstehende und verfallene Gebäude in den Dörfern sollen nicht weiter das Merscheider Ortsbild verschandeln. Der Ortsbeirat will, dass die Gemeinde nicht sanierungsfähige Häuser kauft, abreißt und die Grundstücke als Bauplätze verkauft.
Morbach/Merscheid. Der alte Slogan "Unser Dorf soll schöner werden" scheint für den Ortsbeirat Merscheid noch Gültigkeit zu besitzen. Denn im Investitionsprogramm für die Jahre 2013 bis 2015 plant das Gremium, leer stehende Häuser in Merscheid aufzukaufen und abzureißen. Dies würde über den Haushalt der Einheitsgemeinde Morbach finanziert werden. Der Merscheider Ortsvorsteher Bernd Flesch will nicht sagen, um welche Gebäude es sich dabei handelt, weil mit den Eigentümern noch nicht gesprochen wurde.
Er denkt jedoch an zwei oder drei Gebäude, die in Merscheid das Ortsbild verschandeln, sagt er. Nach seiner Vorstellung könnten die Grundstücke nach Abriss der alten Häuser als Baugrundstücke verkauft werden. Alternativ dazu könnten einige der Flächen begrünt werden.
Merscheid ist nicht das erste Dorf, in dem die Gemeinde den Abriss alter Häuser übernehmen soll. "Das werden in nächster Zeit noch mehr werden", glaubt Alfons Gorges, Leiter des Morbacher Bauamts. Aktuell hat die Gemeinde hat ein Gebäude in Hoxel gegenüber dem Feuerwehrhaus gekauft, das in Kürze entfernt werden soll. Die für den Abriss benötigten Mittel sollen laut Gorges im Nachtragshaushalt berücksichtigt werden.
Laut Bauamtsleiter will die Gemeinde auch Häuser in Gutenthal und Heinzerath kaufen und abreißen, allerdings müsse noch mit den Eigentümern verhandelt werden. Die Grundstücke sollen als Bauplätze wieder verkauft werden.
In der Vergangenheit hat die Gemeinde solche Flächen zu Dorfplätzen umgestaltet. In Hinzerath wurde dafür ein ehemaliges Wohngebäude, in Hunolstein die alte Volksschule abgerissen. Dass alte und nicht sanierungsfähige Häuser oft das Ortsbild verschandeln, haben sowohl die Gemeinde als auch das Land Rheinland-Pfalz erkannt und entsprechende Förderprogramme aufgelegt. Karin Eberhard von der Bauverwaltung sagt, dass die Einheitsgemeinde den Abbruch alter Häuser bereits seit 1999 fördere, wenn die Bausubstanz nicht mehr erhaltenswert sei.
Bedingung ist, dass die freie Fläche innerhalb von drei Jahren bebaut wird. Neben dem Abbruch des alten Hauses kann auch ein Neubau gefördert werden. Bis zu 20 Prozent der entstehenden Kosten für Abbruch und Neubau schießt die Gemeinde in dem Fall zu, maximal aber 20 000 Euro.
Seit August 2010 fördert auch das Land den "Abriss nicht erhaltenswerter Bausubstanz zur Bewältigung städtebaulicher Missstände". Die Zuschüsse betragen 15 bis 30 Prozent der förderfähigen Kosten, maximal jedoch 20 452 Euro je Objekt. Voraussetzung ist ein Dorferneuerungskonzept.
Für die Anträge und die Bewilligung ist die Kreisverwaltung zuständig. Die Förderprogramme von Gemeinde und Land sind laut Eberhard miteinander kombinierbar.
Die Nachfrage ist dennoch verhalten. 2009 wurde die Förderung der Gemeinde einmal in Anspruch genommen, 2010 drei Mal, in diesem Jahr noch gar nicht. Bei der Kreisverwaltung wurde 2011 ein entsprechendes Projekt bewilligt und ein zweites angefragt.Meinung
Das ist die richtige Richtung
Wer die Ortskerne lebendig erhalten will - und das wollen alle - muss sein Augenmerk auf die Häuser richten, die alt und am Verfallen sind, jedoch nicht unter Denkmalschutz stehen, auch sonst baukulturell keinen großen Wert besitzen und nicht ortsbildprägend sind. Gerade in Zeiten, in denen hohe Ansprüche an den Energieverbrauch von Gebäuden gestellt werden, ist klar: Diese Häuser will kein Mensch mehr, weil die dringend nötige Renovierung nicht lohnt. Es ist gut, wenn die Gemeinden aktiv werden und versuchen, diese Gebäude aufzukaufen, abzureißen und das Gelände als neues Bauland zu nutzen. So können neue Bürger ins Dorf gelockt werden und neue Baugebiete, die sich angesichts der demografischen Entwicklung nicht lohnen, erübrigen sich. Allerdings ist auch klar: Eine Gemeinde, die sich wie Morbach solch eine Förderung leisten kann, kann sich glücklich schätzen. m.maier@volksfreund.de Interessenten, die nicht sanierungsfähige Häuser kaufen und abreißen wollen, können sich an folgenden Stellen über Fördermöglichkeiten erkundigen: Einheitsgemeinde Morbach: Karin Eberhard, Telefon 06533/71303, Förderprogramm des Landes: www.dorferneuerung.bernkastel-wittlich.de cst