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Gemeinde sorgt selbst für Wärme in den Häusern

Gemeinde sorgt selbst für Wärme in den Häusern

Die Gemeinde Lötzbeuren will langfristig die für die Wärmeversorgung des Ortes benötigte Energie selbst erzeugen. Geplant ist der Bau eines Wärmekraftwerkes. Die Gemeinde hofft, bis Ende 2012 die ersten Haushalte an das Wärmenetz anschließen zu können.

Lötzbeuren. Läuft alles nach Plan, müssen zahlreiche Hausbesitzer der Hunsrückgemeinde Lötzbeu ren für den Winter 2012/13 beim Händler kein Heizöl ordern. 30, vielleicht auch mehr Häuser, sollen in einem ersten Schritt bis dahin von einem zentralen Heizkraftwerk im Ort mit Wärme versorgt werden.
Vor mehr als drei Jahren hat sich die Gemeinde das ehrgeizige Ziel gesetzt, den Ort langfristig autark mit Wärmeenergie zu versorgen. Die Idee: In einem Kraftwerk wird Wärme erzeugt, die über unterirdische Leitungen zu den Häusern geleitet wird. Als Energieträger kommen vor allem Holz beziehungsweise Holzpellets aus dem Gemeindewald infrage. Aber auch Stroh zum Verfeuern wäre eine Alternative. Die Gemeinde will ein Heizkraftwerk mit Halle bauen, in dem die zur Verbrennung benötigten Rohstoffe gelagert werden.
Peu à peu soll das Kraftwerk bei Bedarf erweitert werden können. Im ersten Schritt plant die 500-Einwohner-Gemeinde ein Kraftwerk mit einer Leistung von 650 bis 800 Kilowatt, das rund 40 Häuser mit Wärme versorgen kann. Wollen sich später weitere Hauseigentümer für die zentrale Versorgung entscheiden, wird das Kraftwerk vergrößert. Es werden einfach weitere Heizbrenner an die Anlage angedockt.
Ortsbürgermeister Klaus Reitz hat im Gemeinderat zahlreiche Mitstreiter, die das Projekt mit großem Engagement vorantreiben. Vor zwei Jahren wurden drei Arbeitskreise gebildet, die unter anderem den Bedarf ermitteln, die technischen Möglichkeiten untersuchen und sich über die Rechtsform einer noch zu gründenden Gesellschaft Gedanken machen (der TV berichtete). Letztlich müssen die Kosten und Fördermöglichkeiten ermittelt werden.
Inzwischen ist die Gemeinde ein großes Stück vorangekommen. Ende April fand eine Bürgerversammlung statt. 70 Leute waren da, von denen nur vier bekundeten, sich nicht zu beteiligen. Klaus Reitz: "Es gibt genügend Interessenten, so dass das Projekt realisiert werden kann."
Exakte Berechnungen


Unklar ist aber noch, wer als Energieversorger firmieren wird. Es gibt zwei Optionen: Die Gemeinde bildet einen Zweckverband oder es gründet sich eine Genossenschaft. Diese Gesellschaft soll bis Ende des Jahres mit den Interessenten Wärme-Lieferverträge abschließen. Reitz: "Im kommenden Jahr wollen wir mit dem Bau beginnen, so dass die Anlage vor dem Winter 2012/13 in Betrieb gehen kann."
Die Gemeinde hat exakte Berechnungen vorgenommen. Ratsmitglied Andreas Reinhard hat dazu eine umfangreiche Datenbank mit dem Heizbedarf aller Lötzbeurener Häuser erstellt. Experten der Energieagentur Trier haben es begutachtet und fanden, so Reitz, die Erhebung und die Berechnungen ausgezeichnet.
Rund 700 000 Euro wird das Wärmekraftwerk kosten, das im ersten Schritt für etwa 40 Häuser ausgelegt ist. In diesem Betrag sind die Kosten für den Heizbrenner, die Lagerhalle, die zu verlegenden Leitungen zu den Häusern und die Hausanschlüsse enthalten. An Fördergeldern erwartet die Gemeinde rund 200 000 Euro. Die Investitionskosten werden auf die Kunden umgelegt. Laut Reitz lohnt sich der Umstieg von der Eigen- zur gemeinschaftlichen Versorgung. Er verbraucht in seinem Haus rund 3000 Liter Heizöl im Jahr. Inklusive der Strom- und Wartungskosten und der Kosten für den Schornsteinfeger müsse er rund 2800 Euro zahlen. Mit der zentralen Wärmeversorgung käme er auf etwa 2400 Euro. Andrea Reinhard: "Es gibt viele Vorteile. Man muss sich nicht mehr um die Ölbestellung kümmern, braucht keinen Schornsteinfeger mehr und hat keine Reparaturen."

Meinung

Dorf mit viel Energie
Ein kleines Dorf macht sich Gedanken um die Energieversorgung seiner Bürger. Das ist bemerkenswert. Ein zentrales Wärmekraftwerk soll in Lötz beu ren entstehen. Die Energie dazu liefert Holz aus dem Gemeindewald oder Stroh von heimischen Äckern. Ein solches Projekt zu planen und zu realisieren, erfordert sehr viel Fachwissen. Engagierte Ratsmitglieder haben sich in den vergangenen Jahren kundig gemacht. Sie haben technische Lösungen erörtert und Kosten und Nutzen errechnet. Viele Lötzbeurener sind von dem Projekt überzeugt und wollen mitmachen. Sie können damit Geld sparen und die Umwelt schonen. Bund und Land wollen die regenerative Energie noch stärker fördern. Lötzbeuren kann auch auf großzügige Zuschüsse hoffen. Zu recht. Wer sich um die Zukunft Gedanken macht und realistische Alternativen erarbeitet, sollte auch Hilfe bekommen. w.simon@volksfreund.de Zahlreiche Orte in Deutschland wollen "Energiedörfer" werden. Das heißt, dass das Dorf einen großen Teil seines Strom- und Wärmebedarfs durch die Nutzung regional erzeugter Biomasse selbst deckt. Das Bundeslandwirtschaftsministerium hat vor einem Jahr den Startschuss für den Wettbewerb "Bioenergie-Dörfer" gegeben. Gemeinden sind aufgefordert, umgesetzte Konzepte zur Produktion und Nutzung von Bioenergie einzureichen. Aus dem Eifelkreis haben sich Altscheid (VG Neuerburg) und Preist (VG Speicher) beworben, aus dem Kreis Cochem-Zell Alflen (VG Ulmen). Grimburg (Landkreis Trier-Land, VG Hermeskeil) wollte bereits vor fünf Jahren Bioenergie-Dorf werden. Nach vier Jahren Planung war der Investor, die Pfalzwerke AG, aus dem Fünf-Millionen-Euro-Projekt ausgestiegen. sim