Gemeindeschwester plus soll in Morbacher Beratungszentrum integriert werden

Kostenpflichtiger Inhalt: Seniorenberatungsstelle: : Gemeindeschwester plus in Morbach: Ein Projekt wird zur Chefsache

Das Land hat Morbach eine halbe Stelle für eine Gemeindeschwester plus bewilligt. Derzeit sind noch viele Fragen offen.

Senioren sollen möglichst lange in den eigenen vier Wänden wohnen bleiben können. Dieses Ziel haben sich viele Kommunen auf die Fahnen geschrieben. Auch die Einheitsgemeinde Morbach. Zu diesem Thema hatte Andreas Hackethal ein Schlüsselerlebnis. Bei einem Seniorengeburtstag freute der Morbacher Bürgermeister sich, dass die 90-Jährige noch so rüstig sei, noch allein wohnen und sich selbst versorgen konnte. Und er sagte ihr das auch. Mit ihrer Reaktion hatte er nicht gerechnet. Sie nahm ihn beiseite und zeigte ihm ein Schreiben von ihrer Krankenkasse, dass sie offenbar nicht verstand. „Mit meiner juristischen Vorbildung“sei ihm dies gelungen, schildert der frühere Rechtsanwalt weiter. Und er nahm sich der Anlegenheit an und klärte sie für die betagte Frau.

Das Ereignis zeigte ihm, wie vielschichtig das Thema „Zuhause alt werden“ ist und dass es keineswegs nur um Essen auf Rädern und Mobilität im Alter geht. Und so erhielt das Demografiekonzept für die Einheitsgemeinde zahlreiche Bausteine – vom Balkan-Kesselche über den seit zwei Jahren vom Deutschen Roten Kreuz (DRK), der Verbandsgemeinde Bernkastel-Kues und der Gemeinde Morbach organisierten Seniorenbus bis hin zum Ambulanten Hospiz (der Volksfreund berichtete mehrfach).

Vieles ist längst Realität. Aber es fehlt an einer zentralen Anlaufstelle für Senioren und ihren Angehörigen. Und weil es teilweise um sensible Fragen geht, soll es laut Hackethal eine Beratungsstelle mit Wohlfühlcharakter geben, auf Hunsrücker Platt ein „Geheischnis“. Und das soll geschaffen werden (der TV berichtete).

Mitten in die Diskussionen um die Schaffung einer solchen Stelle platzte die Nachricht, dass Morbach künftig an dem Projekt „Gemeindeschwester plus“ des Mainzer Sozialministeriums teilnehmen kann. Immerhin hatten die Freien Wähler Morbach im Febuar den Antrag gestellt, eine solche Stelle zu beantragen. Das Projekt richtet sich an hochbetagte Senioren, die noch zuhause leben und nicht pflegebedürftig sind, aber dennoch Hilfe benötigen. Senioren könnten so, sagt die Ministerin, beispielsweise eine Beratung erhalten, was ihre Wohnsituation und hauswirtschaftliche Versorgung angeht. Klingt, als gebe es eine erhebliche Schnittmenge zwischen Beratungsstelle und Gemeindeschester plus. Und das sieht Hackethal auch so. Die Gemeindeschwester plus sei ein Baustein, der ins Gesamtkonzept passt“, hatte Hackethal schon vor zwei Wochen dem Volksfreund gesagt. Das Land will im Übrigen einen Ansprechpartner für das Projekt in Morbach haben. Den hat Hackethal bereits nominiert: Er wird es selbst sein.

Und wie viel Geld bekommt die Gemeinde Morbach im Rahmen des Projektes  Gemeindeschwester plus? Die Frage kann der Bürgermeister nicht beantworten, obwohl er bereits einen Förderbescheid bekommen hat. Von einer konkreten Summe ist in dem Brief nicht die Rede. Vielmehr heißt es dort: „Die im Land Rheinland-Pfalz vertretenen Krankenkassen und Krankenkassenverbände werden gemeinsam mit dem Land Rheinland-Pfalz für die Einheitsgemeinde Morbach einen Stellenanteil von 0,5 für eine Gemeindeschwester plus finanzieren.“

Was für ein Gehalt eine solche Kraft beziehen solle? Auch das bleibe unklar. Hackethal geht allerdings davon aus, dass die Gemeindeschwester plus ein Sozialarbeiter oder eine Sozialarbeiterin sein müsse. Um die offenen Fragen zu klären, will Hackethal Gespräche mit dem Land führen.

Doch das Projekt soll bis dahin nicht auf Eis liegen. Hackethal will dem Gemeinderat vorschlagen, ein Beratungszentrum in der Trägerschaft der Kommune zu schaffen. Eineinhalb hauptamtliche Stellen sollen geschaffen werden, Ehrenamtler das Projekt unterstützen. Eine Immobilie, die möglichst zentral liegen soll, wird noch gesucht. Starten könnte das Projekt Mitte nächsten Jahres, immer vorausgesetzt, der Gemeinderat stimmt zu.

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