Gemeinsam sind sie stark

SALMTAL. Vor 25 Jahren gründete eine Handvoll trockener Alkoholiker eine Selbsthilfegruppe. Seitdem unterstützen sich die Mitglieder des Kreuzbundgruppe offen, ehrlich und mit viel Geselligkeit.

Da sitzen sie zusammen, die früheren Trinker und ihre Angehörigen, stoßen miteinander an und machen Blödsinn. Klar, irgendwann kommt immer auch der Alkohol ins Gespräch: Inzwischen können sie darüber reden, und sie sollen es auch. Die über die ganze Republik verstreuten Kreuzbundgruppen sind reine Selbsthilfegruppen. Keine Profis, sondern Laien tauschen sich hier aus. Obwohl: Sind nicht jene die wirklichen Fachleute, die früher Trinker waren, oder deren Angehörige, die jahrzehntelang die Sucht gedeckt, tabuisiert, versteckt haben? "Wer einem den Alkohol nehmen will, der wird zum Feind", berichtet Walter Könen aus der Vergangenheit. Trinken sei nur ganz am Anfang eine gesellige Angelegenheit. Irgendwann waren alle einsam, viele depressiv, litten unter Führerscheinentzügen und verloren, wenn es hart kam, Partner, Kinder und Arbeitsplatz. Dennoch fehlte bei vielen das Einsehen, dass sie ein Problem hatten. Stets sei massiver Druck von außen nötig, um irgendwann den Entzug angehen zu können, sagen sie einhellig. Bernhard Elsen, der Vorsitzende der Salmtaler Gruppe, empfiehlt dabei drei Säulen: den Hausarzt für die medizinische Seite, einen Therapeuten für die Psyche und das stärkende Gespräch in einer Selbsthilfegruppe. "Sie müssen sich einen neuen Freundeskreis suchen", so Elsen. Auch das bietet der Kreuzbund. Neben den 14-tägigen Treffen in der Alten Schule Dörbach kegeln, wandern, tanzen und grillen sie, machen Schiffs- und Planwagenfahrten und planen für die Zukunft den Besuch einer Kappensitzung im Rheinland. Ja, so etwas gibt es auch ohne Bier und Schnaps, klärt Könen auf. Was dieser Mann erzählt, lässt hoffen. Als er vor acht Jahren zum Kreuzbund kam, tat er das ohne jede Einsicht in seine Abhängigkeit. "Es gibt da ein paar Leute, die finden, ich trinke zu viel", sagte er bei seinem ersten Besuch, der ihm zur Auflage gemacht wurde. Hart sei es gewesen, aber er hat es geschafft. Vor einem halben Jahr beendete er sogar das Rauchen, eine nicht minder schwierige Angelegenheit, wie er offen zugibt. Es ist diese Offenheit, die die Menschen brauchen. Der Austausch untereinander stützt und stärkt jene, die den Entzug frisch hinter sich haben und noch zu Rückfällen neigen. "Mit wem hätte ich denn darüber sprechen können?", sagt die Dame, langjährige Ko-Alkoholikerin, die ihrem trinkenden Mann irgendwann die Pistole auf die Brust setzte. Da war er, der Druck von außen, den er brauchte, um das Problem anzugehen. Er hat es geschafft. Unterstützend wirken dabei auch die vom Kreuzbund angebotenen, meist von der Caritas organisierten Seminare. "Eine phantastische Sache", so Elsen.