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Gemeinschaftsaktion gegen das Vergessen

Gemeinschaftsaktion gegen das Vergessen

Nicht einsam - sondern gemeinsam: Demenzkranke Menschen sollen in der Verbandsgemeinde Bernkastel-Kues stärker am gesellschaftlichen Leben teilnehmen. Dafür werden sogenannte Kümmerer gebraucht.

Zeltingen-Rachtig/Bernkastel-Kues. Der Slogan ist eingängig und wird deshalb auch nicht so schnell in Vergessenheit geraten: nicht einsam - sondern gemeinsam. Dahinter steckt in der Verbandsgemeinde Bernkastel-Kues die lokale Allianz für Menschen mit Demenz. Sie geht ein Projekt mit vier Denkanstößen an, das auf zwei Jahre ausgelegt ist und vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert wird: Jeder kann Menschen mit Demenz unterstützen; Menschen mit Demenz suchen die Nähe zu anderen Personen; Demenzkranke wollen gebraucht werden; und sie wollen am Alltagsleben teilhaben.
Als Partner sollen ihnen sogenannte Kümmerer zur Seite stehen. Es gibt davon in der VG schon einige davon (siehe Extra) aber es sollen viel mehr werden. Am Donnerstag, 20. November, können sich alle Interessenten von 18 bis 20 Uhr im Kelterhaus Schorlemer in Zeltingen-Rachtig informieren.
Einige Gemeinden haben sich bereits gemeldet. In Kesten ist einmal im Monat ein Dorftreff. Der richtet sich an alle Bürger wird aber, so Ortsbürgermeister Michael Beer, meist von älteren Leuten besucht. "120 der 360 Einwohner sind älter als 65 Jahre", berichtet er.
Er weiß von einigen wenigen Demenzkranken im Ort, die von Angehörigen betreut werden. Die Betroffenen sollen mehr in das Dorfleben integriert werden. Dazu gehöre, so Beer, dass auch andere Menschen als nur die Angehörigen ihnen Zeit schenken. "In den Dörfern leben oft noch mehrere Generationen miteinander oder nebeneinander. Das sollte genutzt werden", sagt er. Er hofft für die Veranstaltung am 20. November auf Zulauf aus vielen Orten.
Axel Leischner ist ein ganz großer Kümmerer. Er ist einer der Initiatoren und Organisatoren des Cafés für Junggebliebene in seinem Wohnort Mülheim. Darüber hinaus geht er zum Beispiel in Senioreneinrichtungen, um mit Demenzkranken zu musizieren. "Die Arbeit mit den Menschen ist eine schöne Aufgabe", sagt er. Margret Brech (Fachstelle für Demenz bei der Caritas in Wittlich) ist seit 2006 mit der Thematik befasst. "Ziel ist es, in den Orten Angebote zu initiieren und mehr Aufmerksamkeit für die dort lebenden dementen Menschen zu erreichen", sagt sie. Eine Aufgabe sei auch Polizisten und Feuerwehrleute, die bei der Suche nach verschwundenen Kranken eine wichtige Rolle spielen, zu sensibilisieren.
Die Verbandsgemeinde Bernkastel-Kues hat sich nach Rücksprache mit der Fachstelle für Demenz für eine Teilnahme an dem Projekt beworben und einen Zuschlag bekommen. 10 000 Euro Förderung zahlt der Bund. Damit können zum Beispiel Vorträge und Infomaterial finanziert werden. Davon, so Margret Brech, könne aber auch der Alleinunterhalter bei einem geselligen Nachmittag bezahlt werden.
Die verwaltungsmäßige Abwicklung läuft über den Schreibtisch von VG-Mitarbeiterin Monika Coen. Die Absicht der VG Bernkastel-Kues erläutert der hauptamtliche Beigeordnete Leo Wächter pragmatisch: "Das Thema gewinnt aufgrund des demografischen Wandels immer mehr Bedeutung. Die VG strebt im Rahmen des Modellprogramms eine inhaltliche Vernetzung der örtlichen Anbieter an."Extra

Demenz (lateinisch Demens = ohne Geist) ist eine Erkrankung des Gehirns. Betroffen sind vor allem das Kurzzeitgedächtnis, das Denkvermögen, die Sprache und die Motorik. Die bekannteste Form der Demenz ist die Alzheimer-Krankheit. Einige Formen der Krankheit können in gewissem Umfang behandelt werden. Die Symptome können im Anfangsstadium verzögert werden. 2050 wird in Deutschland mit mindestens drei Millionen Demenzkranken gerechnet (Quelle: Wikipedia). Derzeit sind es bundesweit etwa 1,5 Millionen, im Kreis Benkastel-Wittlich etwas mehr als 2000. cbExtra

Die Arbeitsgemeinschaft Kümmerer ist ein Ergebnis der 2013 von der Caritas organisierten Zukunftswerkstatt. Der Lenkungsgruppe der lokalen Allianz für Menschen mit Demenz gehören Vertreter und Mitarbeiter der Fachstelle für Demenz, von Pflegeeinrichtungen, der VG Bernkastel-Kues, den Ortsgemeinden, des Kreises und der Kümmerer an. Ein Ziel ist die Vermittlung von Fachkompetenz. Nach Auskunft von Margret Brech (Fachstelle für Demenz) gab es schon Termine mit je sechs Veranstaltungen und 55 Teilnehmern in drei verschiedenen Orten des Kreises. cb