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Gemüse aus Handarbeit: Was ihr über die Vielfaltsgärtnerei in Wittlich wissen solltet

Landwirtschaft : Regionales Gemüse komplett aus Handarbeit – Was ihr über die Vielfaltsgärtnerei in Wittlich wissen solltet

Lara Rebmann und Arved Meinzer betreiben seit Anfang des Jahres regenerative Landwirtschaft auf dem Scheuerhof in Wittlich-Bombogen. In ihrer „Vielfaltsgärtnerei Feldfreude“ verzichten sie beim Anbau von Gemüse komplett auf den Einsatz von Maschinen oder Spritzmittel.

Den Entschluss trafen Lara Rebmann und Arved Meinzer am ersten Advent im vergangenen Jahr, nachdem sie die Betreiber des Scheuerhofs in Wittich-Bombogen auf einer Messe kennengelernt hatten: Die beiden Pfälzer wollen am Scheuerhof, direkt unterhalb des Neuerburger Kopfs, ihr eigenes Gemüse anbauen. Allerdings nicht auf konventionelle Art, sondern in Permakultur und in regenerativer Landwirtschaft (siehe Info). „Bei uns ist alles Handarbeit, komplett ohne Maschinen. Wir setzen keinerlei Spritzmittel ein“, sagt Meinzer, der wie seine Lebensgefährtin studierter Winzer ist und zuvor in dem Beruf gearbeitet hat.

Im Frühjahr haben die beiden ihr Projekt umgesetzt und die ersten Beete auf einer Wiese auf dem Hofgelände angelegt, mittlerweile sind sie mitten in der Ernte. Und welches Gemüse gibt es bei „Feldfreude“, wie sie ihre Gätnerei nennen? „Fragen Sie besser, was es nicht gibt“, sagt Meinzer und lacht. „Wir haben keine Kartoffeln, keinen Zuckermais und keine Kürbisse“, sagt der 29-Jährige. Kartoffeln zum Beispiel bräuchten zu viel Platz und seien auf Ackerflächen besser aufgehoben als in Beeten. Dafür haben die beiden jedoch verhältnismäßig seltene Gemüsesorten wie Mangold im Angebot, der bei den Kunden gut anzukommen scheint: „Neulich haben sich Menschen an unserem Stand auf dem Wittlicher Markt darüber unterhalten, welche Rezepte es für Mangold gibt“, erzählt Lara Rebmann begeistert.

Die Beete von Rebmann und Arved Meinzer sind jeweils 75 Zentimeter breit und mit einer Schicht aus Mulch bedeckt. Zwischen den Beeten verlaufen Wege, die mit Holzschnitzeln abgedeckt sind, und von denen aus man Zugang zu den Pflanzen hat. Zudem gibt es Blühstreifen für Insekten.

Durch die Mulchschicht ist der Boden, in dem die Pflanzen wachsen, geschützt – „vor Sonne, Starkregen und Wind“, wie Meinzer sagt. Oder vor Trockenheit. „Der Boden trocknet nie völlig aus“, sagt der 29-Jährige. Auch nicht bei der aktuellen Wetterlage. „Die Bodenkultur hat Luft, Wasser, Essen und ein Haus“, beschreibt es Meinzer. Das sei wie beim Menschen auch nötig, damit sich Boden und Pflanze wohlfühlen. Dank dem dadurch entstehenden aktiven Bodenleben hätten die Pflanze eine hohe Nährstoffdichte, so Meinzer und Rebmann. „Alles geschieht in Handarbeit, Bodenbearbeitung jeder Art wird vermieden. Dadurch kann klimapositiv Gemüse von höchster Nährstoffdichte erzeugt werden“, sagt Meinzer. Und: „Alle Dinge, die in der klassischen Landwirtschaft schädlich sind, versuchen wir auszuschalten“, sagen die beiden studierten Winzer. Mit ihrem Betrieb möchten die beiden zeigen, dass Landwirtschaft auch außerhalb der gewohnten Methoden funktionieren kann. „Gesunder Boden, gesunde Pflanzen, gesunder Mensch.“

Natürlich gibt es bei den Feldfreude-Betreibern nicht jedes Gemüse zu jeder Jahreszeit, sondern saisonales, regionales Gemüse, je nach Ernte. „Wir bauen nicht nur an, was viel Geld bringt“ sagt Meinzer.

Derzeit verkaufen die beiden gebürtigen Pfälzer ihre Waren direkt am Hof und auf Wochenmärkten in Wittlich und Traben. Im kommenden Jahr ist geplant, auch ein Gemüseboxen-Abo anzubieten. Die Käufer schließen damit ein Abo für die Abnahme einer gewissen Anzahl von Boxen ab, deren Inhalt Rebmann und Meinzer je nach Ernte zusammenstellen. Bis dahin soll auch die Größe ihrer Beetfläche weiter gewachsen sein, derzeit legen die beiden bereits neue an, um weiter an ihrem Herzensprojekt zu arbeiten.

Der Boden in den Beeten von Arved Meinzer und Lara Rebmann sind mit Mulch bedeckt. Foto: TV/Petra Willems

Lara Rebmann und Arved Meinzer bieten ihr Gemüse jeden Donnerstag in Traben auf dem Markt sowie immer dienstags auf dem Markt in Wittlich an. Zudem bieten sie donnerstags von 16 bis 19 Uhr auf dem Scheuerhof einen Hofverkauf direkt am Feld an. Wer sich die Arbeit der beiden anschauen möchte, kann das bei regelmäßigen Führungen tun. Die nächste ist am Samstag, 15. August, um 10 Uhr. Anmeldung und weitere Infos per E-Mail an feldfreude@posteo.de. Aktuelle Infos über die Vielfaltsgärtnerei Feldfreude gibt es im sozialen Netzwerk Facebook unter Feldfreude sowie bei Instagram unter feldfreunde_gemuese.