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Gemütlichkeit, Gesellschaft und Geborgenheit

Gemütlichkeit, Gesellschaft und Geborgenheit

Geborgenheit für die Gäste, Entlastung für die Angehörigen: In vielen Altenheimen gibt es das Angebot einer Tagespflege, so seit fünf Jahren im Evangelischen Altenzentrum Ida-Becker-Haus in Traben-Trarbach. Bis zu zwölf Senioren nutzen hier die Tagespflege und kochen, singen und lesen gemeinsam.

Traben-Trarbach. Wenn die Gäste morgens um 8.30 Uhr auf der Traben-Trarbacher Station ankommen, steuern sie stets ihren angestammten Sitzplatz an. "Die meisten leiden an Demenz in verschiedenen Stadien und auch an tiefen Depressionen. Für Demenzkranke sind immer gleichbleibende Tagesstrukturen wichtig", weiß die erfahrene Altenpflegerin Trudel Barzen. Der Tag beginnt mit einem gemütlichen Frühstück, das ganz nach den Wünschen der Senioren zubereitet wird.
Die Station strahlt mit hellen Böden und Möbeln und grüngestreiften Gardinen eine behagliche, freundliche Atmosphäre aus. Hier im dritten Stock bietet sich ein grandioser Blick auf die Mosel bis hinauf zur Ruine Grevenburg.
Zeitungslektüre gehört dazu

Gemütlichkeit, Gesellschaft und Geborgenheit
Foto: (m_mo )
Gemütlichkeit, Gesellschaft und Geborgenheit
Foto: (m_mo )


Nach dem gemeinsamen Frühstück wird Zeitung gelesen. "Wir haben den Trierischen Volksfreund abonniert", erzählt Trudel Barzen. Es werden Artikel vorgelesen, "und daraus entwickeln sich Gespräche und wir fragen nach, was gestern in der Zeitung stand". Auch das Kreuzworträtsel fordert die Senioren, sie freuen sich auf den Witz des Tages, "und ganz wichtig ist das Horoskop, daran haben alle viel Spaß".
Nach der Zeitungslektüre gibt es eine Beschäftigungseinheit. Dabei sollen die noch vorhandenen Fähigkeiten der Senioren, ihre Selbstständigkeit und ihr Selbstvertrauen gefördert werden. Auf dem Programm stehen beispielsweise verschiedene gymnastische Übungen und Spaziergänge bei gutem Wetter. Es wird gemeinsam gesungen, gebastelt, Marmelade gekocht, Waffeln gebacken und Kartoffeln geschält. "Wir bieten hier keine therapeutischen Maßnahmen an", sagt Trudel Barzen. "Vielmehr sollen ganz normale Tätigkeiten des Alltags den Menschen ein bisschen Orientierung nahebringen". Auf Wunsch der Angehörigen führt das Pflegepersonal auch Gespräche mit dem jeweiligen Arzt.
An diesem Tag hat Altenpflegerin Sandra Willeke bunte Luftballons mitgebracht und zeigt, was damit gemacht werden soll. Die Tagesgäste sitzen gemütlich um den Tisch versammelt und befolgen die Anweisungen genau, strecken ihre Arme nach vorne und heben sie über den Kopf. Sie sind mit Freude bei der Sache und genießen das muntere Treiben, das schließlich in einer Art Volleyballspiel endet. Die Tagespflege ist überwiegend in Frauenhand, aber die Herren fühlen sich in der weiblichen Gesellschaft durchaus wohl.
Gisela Heitz kommt dreimal pro Woche ins Ida-Becker-Haus. "Und ob mir das hier gefällt", sagt die 87-Jährige strahlend. "Die Abwechslung ist schön, man kann doch nicht den ganzen Tag vor der Glotze sitzen. Ich bin hier sehr zufrieden". Die Seniorin kennt die alten Volkslieder mit allen Strophen und freut sich, wenn Trudel Barzen zur Gitarre greift und die Gäste mit einstimmen. Gisela Heitz verfügt über einen weiteren Erfahrungsschatz, den sie aus der Kindheit ins hohe Alter "gerettet" hat: Sie kennt jedes Kräutchen, egal ob es in die Suppe gehört oder als lästiges Unkraut im Blumenbeet stört. "Das haben mir meine Eltern beigebracht, als ich noch klein war", erzählt sie stolz.
Nach dem gemeinsamen Mittagessen besteht die Möglichkeit zum Nickerchen in bequemen Schlafsesseln oder in einem Bett im Ruheraum. Die drei festangestellten Kräfte werden von Absolventen des Freiwilligen Sozialen Jahres und Praktikanten unterstützt. Die Pflege, ein Verbandswechsel, eine Dusche oder ein Wannenbad gehören selbstverständlich dazu.
Nach der Mittagspause locken Kaffee und Kuchen. "Bei schönem Wetter sitzen wir auf dem Balkon", berichtet Barzen. Langeweile kommt nicht auf, das Angebot ist abwechslungsreich, überfordert die Senioren aber nicht. Um 16.30 Uhr werden sie von ihren Angehörigen abgeholt, oder sie nutzen den Fahrdienst des Hauses, beziehungsweise als Rollstuhlfahrer den Dienst des Deutschen Roten Kreuzes. Die Tagespflege ist in Traben-Trarbach von montags bis freitags geöffnet. Die Senioren kommen aus der Stadt und der Nachbargemeinden an der Mosel bis Bullay und aus dem Hunsrück. "Alle wohnen noch zu Hause bei ihren Angehörigen und sind in irgendeiner Form hilfsbedürftig", sagt Trudel Barzen. Die Tagespflege bezeichnet sie als eine gute, sinnvolle Sache. Zum einen würden die Angehörigen entlastet, zum anderen erleben die betagten Gäste, deren Freunde und Verwandte oft nicht mehr leben, ein Umfeld mit Gleichaltrigen.
Ein weiteres Angebot im Haus ist die Betreuungsgruppe "Café Kränzchen". Hier treffen sich zweimal im Monat von 14 bis 18 Uhr demenziell erkrankte Menschen aus dem Raum Traben-Trarbach, damit die pflegenden Angehörigen zeitlich, psychisch und physisch entlastet werden können.