Gendarmen gegen Franzosen

Horst Keith erinnert sich noch gut an das ehemalige französische Munitionslager in Morbach - und an zwei Freundschaftsspiele der dort stationierten Soldaten gegen die Morbacher "Gendarmerie".

Veldenz/Morbach. Der Blick in die Tageszeitung ist dem Veldenzer Horst Keith kürzlich eine besondere Freude gewesen. Unter dem Titel "Wo einst Franzosen wachten" war im Trierischen Volksfreund von dem früheren französischen Munitionslager in Morbach zu lesen.

Keith verbindet mit dieser Ära, die nach dem Fall der innerdeutschen Mauer endete, nur positive Erinnerungen.

Besonders gern denkt der pensionierte Polizist an die beiden deutsch-französischen Freundschaftsspiele zurück. Als passionierter Fußballer kickte er in einer Betriebsmannschaft, die 1972 zweimal gegen die französischen Soldaten gewann.

Dass die Morbacher siegreich das Spielfeld verließen, war aber gar nicht entscheidend, wie er versichert.

Sehr viel wichtiger sei die Pflege der Kameradschaft gewesen. Zumal in Morbach damals eben keine Polizisten gegen die Franzosen antraten, sondern deutsche "Gendarmen". Die Polizeidienststellen auf dem Land trugen bis in die 1970er Jahre den Namen Gendarmerie. Keith selbst, der 1964 seinen Dienst in Morbach angetreten hatte, war Gendarmerie-Obermeister.

Eine weitere Besonderheit der zwei sportlichen Begegnungen war, dass beim Rückspiel Fußballer-Idol Horst Eckel als Schiedsrichter fungierte.

Ordentlich Stoff im "Munilager"



Im Frühjahr habe er sich mit Eckel noch über dieses Spiel unterhalten, erzählt Keith. Der frühere Weltmeisterschafts-Kicker habe sich sogar noch an den guten Libero der Morbacher Gendarmen erinnert. Nach den Spielen sei dann ausgiebig gefeiert worden.

Nach dem ersten Spiel seien die Franzosen Gastgeber gewesen: "Im ,Munilager' gab es jede Menge Champagner und Pernot." Im Verlauf der Feier seien sie zudem quasi aufgenommen worden. So habe ein Trinkspruch sinngemäß gelautet: "Du hast es geschafft - du bist jetzt einer von uns."

Da die Stimmung so gut gewesen sei, hätten sie gleich ein Rückspiel vereinbart, nach dem dann die Gendarmen die Franzosen einluden. Für das Essen im Hotel am Oberen Markt, dem heutigen Sparkassensitz, hätten sie extra untereinander gesammelt. Das deutsch-französische Verhältnis war laut Keith aber nicht nur in sportlicher Hinsicht absolut intakt. Auch das Verhältnis mit dem Morbacher Kommandanten und der für das "Munilager" zuständigen französischen Gendarmerie in Wittlich sei sehr gut gewesen. Und mit den Soldaten habe es auch nie Schwierigkeiten gegeben, sagt Keith.

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