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Generationswechsel: Wittlicher Jürgen Bungert hat Geschäftsführung an Söhne übergeben

Generationswechsel: Wittlicher Jürgen Bungert hat Geschäftsführung an Söhne übergeben

Das Ehepaar Beate und Jürgen Bungert ist seit Jahrzehnten sozusagen das Gesicht des gleichnamigen Familienbetriebs. Jürgen Bungert hat die Geschäftsführung an seine Söhne Matthias und Winfried übergeben. Im TV-Interview sprechen er und seine Frau über ihre berufliche Lebensaufgabe.

Wittlich. Die dritte Generation hat im Familienbetrieb Bungert die Geschäftsführung übernommen. Damit sind die Enkel von Magdalena und Karl Bungert am Ruder, die 1950 mit einem Tante Emma-Laden die Erfolgsgeschichte des Unternehmens begründeten. Jürgen Bungert hat nach dem offiziellen Generationenwechsel zum 1. September seinen Schreibtisch noch nicht geräumt. Er kümmere sich weiter "um Zahlen" und die Kundenbetreuung, sagt er. Seinen Einstieg 1975 in den Familienbetrieb habe er nie bereut. Man sei "sein eigener Herr und Meister". Solange wie seine Eltern, die noch im hohen Alter im Geschäft präsent waren, will Jürgen Bungert aber nicht bleiben, sagt er im TV-Interview. Die Fragen stellte TV-Redakteurin Sonja Sünnen.

Seit dem 1. September ist die dritte Generation am Ruder. Was hat sich für Sie geändert?
Jürgen Bungert: Ich bin quasi jetzt Angestellter. Die Söhne haben die Verantwortung. Der Übergang war sang- und klanglos.
Beate Bungert: Ich bleibe noch zwei Jahre in der Geschäftsführung. Prinzipiell können wir jetzt ruhig schlafen.
Jürgen Bungert: Das konnte ich fast immer. Gottseidank verfüge ich über gute Nerven. Ich sehe immer positiv in die Zukunft. Jetzt kümmere ich mich noch um die Zahlen und bin beratend tätig. Aber ich werde nichts bestimmen. Da muss man natürlich aufpassen, dass das funktioniert.
Beate Bungert: Auf jeden Fall wollen wir langsam raus und nicht noch mit 86 oder 90 Jahren hier sein wie die Schwiegereltern.

Dass die nächste Generation übernimmt, ist ja nicht selbstverständlich.Wie war das bei Ihnen?
Jürgen Bungert: Ich bin als Volljurist nach meinem Juraexamen 1975 eingetreten. Ich war ja schon vorher an den Wochenenden jede freie Minute im Geschäft. Dann wurde ich gebraucht und habe das gerne gemacht. Zu der Zeit sind wir so richtig gewachsen. Ich habe die Entscheidung nie bereut. Man ist sein eigener Herr und Meister.

Und Sie, Frau Bungert, haben damals ja sozusagen nicht nur Ihren Mann geheiratet …
Beate Bungert: Ja, irgendwie habe ich auch die Firma geheiratet. Ich bin aber damals nicht direkt ins Geschäft gegangen. Alles war ja neu für mich. Ich habe vorher in einer Krankenhausverwaltung in meiner Heimat Wuppertal gearbeitet. Hier musste ich erst Land und Leute kennenlernen. Und vor allen Dingen die Sprache. Als mein Schwiegervater Platt gesprochen hat, habe ich kein Wort verstanden!
Jürgen Bungert: Und dann war es sehr viel wert, als Paar im Geschäft zu stehen. Ich wusste zunächst nicht, dass meine Frau da so tüchtig ist. Sie hat den Bogen raus!

Und jetzt treten Ihre Söhne in Ihre Fußstapfen. Das ist nicht selbstverständlich.
Jürgen Bungert: Ja, ich kenne einen Betrieb: Der Opa ist 86, der Sohn pensioniert, der Enkel jetzt auch in der Firma, aber der Opa ist noch der Chef. Das ist eigentlich eine Katastrophe. Wir hätten bei unseren Söhnen auch eine andere Berufsentscheidung akzeptiert. Aber wir brauchten nichts zu sagen. Sie sind von Anfang an mit Begeisterung dabei.
Beate Bungert: Wir haben uns auch nie groß beklagt. Und im Betrieb, das war immer spannend für beide. Viel zu predigen, das brauchten wir nicht. Wir haben ihnen vielleicht mitgegeben, dass die Arbeit Freude machen muss.

Worauf sind Sie besonders stolz?
Jürgen Bungert: Wir wollten immer zu den Besten gehören und haben immer auf Warenvielfalt, auf tiefe Sortimente gesetzt, wo die anderen standardisiert haben. Ich bin auch stolz auf unsere Metzgerei, die ich als Nicht-Metzger als Aufgabe in die Hand genommen und auf Qualitätsrezepturen gesetzt habe. Das ist heute eine kleine Fleischfabrik. Da staunt mancher, der vom Fach ist. Stolz bin ich auch auf die Mitarbeiter, die mitziehen. Und auf die Kunden und ihre Einstellung zur Qualität. Wir haben einen Kundenstamm, der nachwächst. Die nächste Generation sucht uns auch gerne auf. Uns kennt man. Und man trifft sich beim Bungert.

Wie waren denn die Reaktionen, als der Geschäftsführungswechsel bekannt wurde?
Jürgen Bungert: Die mich gut kennen haben gesagt, mit 70 ist das genau gut.

Wenn die ganze Familie in der Firma arbeitet, das muss nicht unbedingt gut gehen. Wie schafft man es, das hinzukriegen? Heutzutage ist ja auch eine so lange Ehe nicht mehr selbstverständlich.
Beate Bungert: Wir sehen uns hier gar nicht so viel und oft. Aber morgens sitzen wir immer ein Mal zusammen, dann hat jeder sein Aufgabengebiet. Und abends müssen wir auch nicht immer nur das Geschäft im Kopf haben…
Jürgen Bungert: Ja, dann wird man auch einseitig.
Beate Bungert: Ansonsten: Ein Geheimrezept gibt es nicht. Wir haben uns aber so gut wie nie gestritten. Es ging einem ja auch immer gut. Vielleicht haben da unsere Eltern als Vorbild gewirkt.

Und als Eltern, die das Geschäft an die nächste Generation abgeben: Wie sehen Sie Bungert 2050?
Beate Bungert: Von unten.
Beide lachen.
Jürgen Bungert: Wir haben so viele tolle Entwicklungen miterlebt, mit denen niemand gerechnet hätte. Allein das Aufkommen der Handys. Das war sensationell etwa für den Partyservice. Schon meine Eltern hatten ein anderes Geschäft als wir. Wir haben schon mit allem gehandelt und manches wieder aufgegeben, zum Beispiel Möbel. Da wird sich noch einiges tun, was man heute gar nicht abschätzen kann. Aber Bestand haben wird: Man muss immer dran schaffen. So werden es die jungen Leute auch machen. sosExtra

Jürgen Bungert ist 70 Jahre und seit 1975 aktiv im Familienbetrieb mit dabei. Seit dem 1. September ist er kein Geschäftsführer mehr. Die Söhne Matthias und Winfried haben seitdem als Gesellschafter die Geschäftsführung übernommen. Seine Frau Beate Bungert, Jahrgang 1951, bleibt noch zwei Jahre in der Geschäftsführung. Aktuell hat Bungert 312 Mitarbeiter, davon 18 Auszubildende und 70 Aushilfen. sos