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Genossen stehen zu ihrem "Bauernhof"

Genossen stehen zu ihrem "Bauernhof"

Gerade mal 60 Jahre ist es her, als Not und Nahrungsmittelknappheit das Land beherrschten. In den Nachkriegsjahren konnten viele Ackerflächen nicht bewirtschaftet werden, weil Saatgut fehlte und es an Gespannvieh mangelte. Damals wurden vielerorts landwirtschaftliche Betriebsgenossenschaften gegründet. Die meisten existieren heute nicht mehr. Nur in Enkirch hat sich ein solcher Betrieb erhalten.

Enkirch. Enkirch ist wegen seiner hervorragenden Weine bekannt. Doch der Ort verfügt auf der Höhe Richtung Raversbeuren auch über fruchtbares Ackerland, auf dem Getreide bestens gedeiht. Das Land gehört etwa je zur Hälfte der Gemeinde und Privatpersonen. Der größte Teil wird von der Landwirtschaftlichen Betriebsgenossenschaft (LBG) Enkirch eG bewirtschaftet. Geschäftsführer Ulrich Schneiders und sein Mitarbeiter Mike Ewein bauen im Auftrag der Gemeinde und von 85 Genossenschaftsmitgliedern verschiedene Getreidesorten wie Wintergerste, Weizen, Sommergerste, Triticale (Kreuzung aus Weizen und Roggen) und Raps an. Der Maschinenpark, über den sie verfügen, ist beachtlich: Drei große Schlepper mit 103 bis 165 PS, zwei riesige Pflüge, Grubber, eine Pflanzenschutzspritze, Düngerstreuer, Walzen, Kreiselegge und Sämaschinen gehören unter anderem zur Betriebsausstattung. Die Ernteaussichten für dieses Jahr sind gut, berichtet Mike Ewein. Die Wintergerste steht gut, ebenso der Raps und der Weizen. Im vergangenen Jahr verkaufte die LBG Getreide im Wert von 155 000 Euro und erwirtschaftete einen Gewinn in Höhe von 15 000 Euro. Das Jahr davor war wegen der schlechten Witterung weniger gut, der Jahresabschluss wies einen Verlust von 3500 Euro aus. Betrieb würde gerne weitere Flächen pachten

Seit 1947 gibt es die Enkircher Genossenschaft. Mit Genehmigung der damaligen französischen Militärregierung wurde sie unter Bürgermeister Peter Kappel und 20 weiteren Enkircher Bürgern als "Landwirtschaftlicher Produzentenverein" gegründet. Heute, 61 Jahre nach der Gründung, hat sich der Betrieb durch Zupachtung von 100 auf über 200 Hektar vergrößert. "Wir würden gerne noch weitere Flächen von Privatleuten dazupachten", sagt der Vorstandsvorsitzende Lothar Fischer. Ein Auge auf die Flächen der Enkircher "Genossen" haben Landwirte aus dem benachbarten Raversbeuren. Sie würden dort gerne Mais anbauen und die Ernte an die beiden Biogas-Anlagen auf dem Maiermunderhof beziehungsweise auf dem Hahn liefern. Doch die LBG Enkirch verzichtet lieber auf diesen Absatzweg. Das ist vor allem im Sinne der Gemeinde, die sich keinen Ärger mit den Jagdpächtern einhandeln will. Denn der Maisanbau bringt zwangsläufig große Wildschäden mit sich. Außerdem, so Lothar Fischer, wolle man das Getreide lieber konventionell anbauen und vermarkten, anstatt es zu verbrennen. Kürzlich erst hat die Genossenschaft die Pachtverträge mit der Gemeinde um weitere zwölf Jahre verlängert. Vorstandsmitglied Michael Spier sagt: "Unsere LBG hat eine lange Tradition. Es ist wichtig, dass auch in Zukunft die Enkircher Gemarkung von der Enkircher Genossenschaft bewirtschaftet wird."Auf der jüngsten Generalversammlung wurde ein langjähriges Mitglied geehrt. Gerold Schütz scheidet nach 32 Jahren aus dem Aufsichtsrat aus. Er erhielt die Goldene Ehrennadel des Rheinisch-Westfälischen Genossenschaftsverbandes. Geehrt wurde ferner Ulrich Schneider, der den Betrieb seit 20 Jahren als Geschäftsführer leitet.