Genügend Ideen und Möglichkeiten

Genügend Ideen und Möglichkeiten

Zeltingen-Rachtig. (red) Viele Chöre und Gesangsvereine machen sich Sorgen um ihre Zukunft und beklagen das Fehlen junger Mitglieder. Thematisiert wurde diese Problematik bei einem Delegiertentag des Sängerkreises im Sängerheim in Rachtig.

Einen Delegiertentag der anderen Art veranstaltete der Kreissängerbund im Sängerheim Rachtig. Es sollte nicht, wie der Vorsitzende Heribert Kappes sagte, "eine Tagesordnung abgewickelt werden", sondern gefragt war nach offenem Gespräch, ein Meinungsaustausch. Die Überschrift der Veranstaltung lautete: "Singen im Chor - hier und jetzt - bei uns - heute und morgen!" Nach einer schwungvollen musikalischen Eröffnung durch den Chor "Pop&Soul" unter der Leitung von Josef Thiesen gab es zunächst ein Referat von Josef Hupertz, der maßgeblich an der Entwicklung einer "Zukunftswerkstatt für eine aktive Chorentwicklung" an der Akademie Biggesee beteiligt war. Als langjähriger Vorsitzender des Sängerkreises Bigge-Lenne kennt Hupertz die Probleme des Nachwuchses und der Attraktivität der Chöre aus eigener Anschauung. Hupertz referierte jedoch nicht nur, sondern stellte den zahlreichen Chorvorsitzenden, Chorleitern und Sängern, die den Weg nach Rachtig gefunden hatten, konkrete Aufgaben. Sie sollten sich selbst zunächst einmal verschiedene Fragen beantworten. So etwa: "Was macht für mich meinen Chor attraktiv?" oder auch: "Welche Aufgaben könnte der Sängerkreis für die Werbung übernehmen?" Hupertz forderte die Teilnehmer auch auf, zu überlegen, welche ungenutzten Potenziale in den Reihen der einzelnen Chöre zu finden seien. Er wies darauf hin, dass oftmals Chormitglieder beachtliche Fähigkeiten besäßen, die nur eines Anstoßes bedürften. Die Ergebnisse flossen auch in die sich anschließende Podiumsdiskussion ein, bei der sich von Kappes eingeladene Gäste den Fragen der Tagungsteilnehmer stellten. Neben der Vizepräsidentin des Sängerbundes Rheinland-Pfalz, Elke Weinbrod, fanden sich auf dem Podium der Leiter der Kreismusikschule Bernkastel-Wittlich, Frank Wilhelmi, Josef Thiesen, Kreischorleiter des gastgebenden Sängerkreises, Leo Raskop, Vorsitzender des Gesangsvereins Pantenburg, und als Vertreter der Medien der Kulturjournalist Gerhard W. Kluth. Besonders erfreut war Kappes über die Zusage von Eva Berres und Bettina Schmitz, die als Mitglieder des Jugendchores "Urzecha" die jungen Mitglieder der Chöre vertreten sollten.Neue Wege für neue Mitglieder

Zentrale Frage der Diskussion war natürlich, wie man die Chöre in der heutigen Zeit für neue Mitglieder attraktiver machen könne. In einem Statement wies Weinbrod darauf hin, dass ein Aspekt des Chorgesanges ihrer Ansicht nach viel zu wenig Beachtung finde. In Zeiten, in denen viele Menschen sehr auf ihre Fitness bedacht seien, müsse die Tatsache, dass singen gesund ist, viel mehr unterstrichen werden. Deutlich wurde, dass für die Gewinnung neuer Mitglieder neue Wege beschritten werden müssen. So etwa die Zusammenarbeit der Chöre mit Kindergärten und mit Ganztagsschulen, um schon die jüngsten für den Gesang zu begeistern. Viele Chöre äußerten den Wunsch nach Qualitätssteigerung durch intensive Probenwochenenden oder auch nach professioneller Ausbildung der Chormitglieder. Hier machte Wilhelmi das Angebot zu Stimmbildungskursen durch die Kreismusikschule. "Dies", so Wilhemi, "könne auch vor Ort, bei den einzelnen Chören angeboten werden. Dass es möglich ist, auch Jugendliche für die Chorarbeit zu begeistern, stellten Berres und Schmitz dar, die begeistert über ihren Chor Urzecha und dessen Leiterin, Ingrid Wagner, berichteten. Deutlich wurde bei dieser Tagung, dass für die Zukunft der Chöre viel Arbeit nötig ist. Klar wurde aber auch, dass es an Ideen und Möglichkeiten nicht mangelt.