Geplanter Hausabriss in Bernkastel-Kues: Kritik an Denkmalpflege

Kommunalpolitik : Warten auf den Startschuss

Geplanter Hausabriss in Bernkastel-Kues: Stadtbürgermeister Wolfgang Port kritisiert das Vorgehen der Denkmalbehörde und verweist auf andere Projekte.

Im kommunalpolitischen Leben von Wolfgang Port gibt es Momente, da müssen die Emotionen raus. Das ist beispielsweise bei den Etatberatungen so. Da lässt der Bürgermeister der Stadt Bernkastel-Kues auch an der eigenen Partei, der CDU, und deren Abgeordneten in Bund und Land kein gutes Wort. Wenn von den nicht geringen Einnahmen der Stadt gleich ganz viel Geld an übergeordnete Stellen geht, hört für Port das Verständnis auf. Und wenn er sich, beziehungsweise die Stadt, dann auch noch in anderer Hinsicht nicht adäquat behandelt fühlt, ist es ganz aus.

Aktuelles Beispiel:  Seit 2016 bemüht sich die Stadt um den Abriss eines leerstehenden Hauses am Bärenbrunnen im Stadtteil Bernkastel. Das steht unter anderem schief und soll weichen, damit der Platz um den Brunnen herum ansprechend gestaltet werden kann. Doch auf die Abrissgenehmigung wartet die Stadt seither. Es müsste erst mit einem Gutachten geklärt werden, ob es nicht auf historischem Grund steht, hieß es damals unter anderem von der Denkmalbehörde (der TV berichtete).

Dieses Gutachten liege seit Jahresanfang 2019 vor, heißt es von Seiten der Entwicklungsagentur Bernkastel-Kues. Es sei auch unverzüglich an den Kreis, als untere Denkmalbehörde, und das Land, als obere Denkmalbehörde, weitergeleitet worden, berichtet Mitarbeiterin Kerstin Schuh. Wichtigster Inhalt: Das Haus sei nicht Teil des ehemaligen Klausener Hofs. Bahn frei also für den Abriss? Mitnichten!

In der letzten Sitzung des Stadtrates in der endenden Wahlperiode geht Port deshalb in die Offensive. Wobei er moderater bleibt als im Vorfeld angekündigt. „Jetzt will die Behörde wissen, was hinter dem Gebäude ist. Es ist aber ein sehr großes Gebäude”, sagt er. Und fügt an: “Da fehlt einem ein bisschen das Verständnis.” Und weiter. „Ich bin erstaunt, dass an anderen Stellen ein Abriss innerhalb weniger Wochen möglich ist.”

Er spricht es nicht aus, aber er meint das ehemalige Hotel Burg Landshut und das benachbarte Haus Schröder. Beide sind kürzlich dem Erdboden gleichgemacht worden. Dort und rund um die dahinter stehende ehemalige Weinbauschule investiert ein Geschäftsmann Millionen in Neubauten beziehungsweise in die Sanierung. Das ist durchaus im Sinne der Stadt. Doch dem Stadtbürgermeister fehlt das Verständnis für das Tempo bei den unterschiedlichen Projekten.

Vielleicht ist es ja Zweckoptimismus. Aber Port sagt auch: „Ich hoffe, dass wir bis Ende des Jahres die Genehmigung für den Abriss des Hauses am Bärenbrunnen haben.” Schräg gegenüber steht ein Haus aus der Zeit des Jugendstils. Dass es einmal prachtvoll war, ist an der Fassade mit klappbaren Fensterläden wie in Frankreich oder Spanien zu sehen. Doch der Zahn der Zeit nagt an dem Gebäude. Es soll von privater Hand saniert und ungebaut warden. „Aber erst, wenn es die Abrissverfügung für das andere Haus gibt”, sagt Port. Es mache keinen Sinn dort zwei Projekte nacheinander anzugehen.

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