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Gerhard Klüm aus Traben-Trarbach restauriert Oldtimer

Freizeit : Die große Liebe zu alten Motoren in Traben-Trarbach

KFZ-Meister Gerhard Klüm restauriert mit großer Leidenschaft in der Kirchstraße Oldtimer.

 Wer im Stadtteil Traben in die Kirchstraße einbiegt, landet bald auch in einer kleineren Werkstatt, wo es seit 2011 vor Chrom blinkt und blitzt. Dort stehen begehrte Oldtimer, die Gerhard Klüm wieder auf Vordermann bringt. Klüm ist KFZ-Meister, hat früher in Mercedes-Werkstätten in Traben-Trarbach und Cochem gearbeitet und dort „normale“ PKW repariert, bis er sich im Januar 1990 selbstständig machte, spezialisierte und seitdem ausschließlich Oldtimer restauriert. Gleich zum Start erweckte er als Oldtimerfan einen Jaguar UK2 zum Eigenbedarf zu neuem Leben.

Von 1997 bis 2007 beschäftigte Klüm auch einen festen Mitarbeiter, aber nun macht er sich immer alleine ans Werk. Durch Mundpropaganda und gezielte Werbung wurden seit 1995 viele Oldtimerbesitzer auf den KFZ-Meister mit dem besonderen Händchen aufmerksam, und es entwickelte sich ein großer, treuer Kundenstamm. Zuvor hatte er sich noch Oldtimeraufträge „suchen müssen“.

Klüm fährt mit seinem Anhänger zu den Kunden ins Rhein-Main-Gebiet, in die Köln-Düsseldorfer-Richtung oder auch nach Luxemburg. Dort holt er die Oldies ab, die oft nur noch „Rostlauben“ sind und trotzdem das Herz der Besitzer erobern. Klüm wird dann mit einer totalen Restauration beauftragt. Bei ihm nehmen diese Autos innen und außen nach und nach wieder ihre ursprüngliche Gestalt an, denn knifflige Handgriffe am Motor, Getriebe, an den Achsen und der Elektrik macht er selbst. Auch an Sattlerarbeiten macht er sich.

Die Autos werden in der Trabener Kirchstraße im Auftrag fertiggestellt bis hin zur Lackierung. „Ich habe vom Gefühl her eben mein großes Hobby zum Beruf gemacht“, freut sich der Moselaner, der zwischen den Großaufträgen auch kleinere Restaurationen macht. Und woher bekommt er die Ersatzteile? „Sie werden zum Beispiel nachproduziert von den Autowerken Mercedes oder Porsche für deren Produktionen aus vergangenen Tagen“, erklärt der 67-Jährige, der eigentlich schon Rentner ist und nun einen langsameren Gang einlegen will.

Aber er will weiter werkeln, bis er 70 Jahre alt ist. „Anfangs habe ich mich nur mit der Instandsetzung von Jaguars beschäftigt. Jetzt wartet hier auch ein Jaguar E-Type, Baujahr 1966 mit 265 PS auf seine Vollendung, und noch ist der offene Motorraum bis ins Detail zu sehen“, sagt Klüm. Und: „Im Durchschnitt stecke ich mindestens 1300 Arbeitsstunden in jede Restauration.“

Meist hält er sich fern von Oldtimertreffen oder Ausstellungen, denn seine Welt ist die Werkstatt. Bei schönem Wetter öffnet er manchmal das Werkstatttor, und dann schauen auch oft Touristen bei den „ Oldtimer-Wracks“ vorbei. Aber dann macht der Trabener seine „Haustür“ wieder zu, denn er arbeitet am liebsten in Ruhe und allein.

Was ist der schwierigste Teil der Restauration? „Die Blecharbeit, die durch Altersrost große Teile der Gesamtarbeit einnimmt. Es ist körperlich und vom Anspruch her sehr schwer, wenn ich aus dem Blech Teile formen und anpassen muss in echter Handarbeit“, meint der Oldtimerfreak.

Lange muss er nicht überlegen, wenn er nach seinem Arbeitspensum gefragt wird. „35 Oldtimer habe ich bisher wieder komplett brauchbar gemacht von A bis Z“, vermeldet er nicht ohne Stolz. Eine Werkstattwand zieren Fotos von allen Fahrzeugen, die in diesem Raum „wiederbelebt“ wurden.

Dabei werden Erinnerungen an ein ganz besonderes Modell wach, einen Aston Martin DB4 American La Franc. Dieses außergewöhnliche „Schätzchen“ mit sage und schreibe 15 Liter Hubraum diente ursprünglich als „Feuerwehrauto“, setzte riesige Wasserpumpen in Betrieb, wenn in den USA Hochhäuser brannten. „Dieses Modell habe ich zum 100. Jubiläum im Jahre der weltbekannten Ralley Peking-Paris im Jahre 2000 wieder aufgebaut“, erzählt Klüm. Er ergänzt: „Ich habe noch eine größere Halle angemietet, in der ich teils fertiggestellte Oldtimer, aber auch Restaurationsobjekte unterbringe.“ Sein Anwesen in der Trabener Kirchstraße erwarb er 2011.

Man merkt Klüm an, dass der erwählte „Hobby-Beruf“ sein Lebenselexier ist, denn wenn er von Jaguar und Co berichtet, leuchten seine Augen, die auf den Jaguar mit dem offenen Motorraum gerichtet sind. Und was passiert, wenn er mit 70 Jahren das Schrauben aufgeben will? „ Das weiß ich noch nicht, einen Nachfolger habe ich leider nicht“, bedauert der Mann mit den ölverschmierten Händen.