Gerichtsprozess zu Banküberfall Wittlich 2019

Gerichtsprozess zu Banküberfall : „Ich habe einfach ins Gefängnis gewollt“

Bei einem versuchten Banküberfall stellt sich der Täter selbst der Polizei. Bei der Gerichtsverhandlung gibt er an, auf der Arbeit unter Mobbing zu leiden und davor ins Gefängnis fliehen zu wollen.

Nach einem versuchten Banküberfall in einer Volksbank-Filiale in Wittlich im September stellt sich der Täter selbst. Der Angeklagte berichtet im derzeit laufenden Prozess der Dritten Großen Strafkammer im Langericht Trier von Mobbing und seinem Wunsch, ins Gefängnis zu gehen.

Die Anklage Ein Mann mit Schirmmütze und Rucksack betritt am Mittag des 25. September 2018 die Volksbank-Filiale in der Burgstraße in Wittlich. Er geht am Stehtisch des Servicepunkts vorbei, direkt auf die Bankangestellte zu. „Das ist ein Banküberfall, ich möchte Geld“, sagt er leise. Weil die Frau ihn nicht verstanden hat, bittet sie ihn, seine Worte zu wiederholen. Erst da bemerkt sie, dass er ihr ein Messer an die Brust hält. Nachdem er seinen Satz erneut gesagt hat, entgegnet die 56-Jährige, dass es in der Bank kein Geld gebe und sie ihm deshalb nichts aushändigen könne. „Rufen Sie die Polizei, ich gehe jetzt in die Commerzbank und hole mir dort Geld“, soll der Mann geantwortet und die Bank verlassen haben. Auf der Straße hält er einen Streifenwagen an und sagt zu den Polizisten: „Ich bin der, den Sie suchen.“

Der Angeklagte So skurril der Tathergang scheint, so seltsam ist die Geschichte des Angeklagten, ein 37-Jähriger aus Oftersheim in der Nähe von Heidelberg. „Das stimmt alles, ich bin schuldig“, sagt er zu den Vorwürfen. Der Vorsitzende Richter Armin Hardt möchte verstehen, wie es zu der Tat gekommen ist. Vor knapp zwei Jahren erhielt der gelernte KFZ-Mechaniker eine Anstellung als Straßenreiniger beim Bauhof der Stadt Hockenheim. Seit einiger Zeit werde er gemobbt. Eine Clique rund um die Bauhofleiterin habe ihm und anderen Mitarbeitern  Strafarbeiten gegeben, habe ihn als „Pisser“ und „Taugenichts“ beschimpft. Das Mobbing sei ihm zu viel geworden. „Ich beschloss, aus meinem alten Leben zu fliehen und ins Gefängnis zu gehen“, erzählt er. „Sie hätten auch die Stelle wechseln können und wieder in die freie Wirtschaft gehen können“, wirft Richter Hardt ein. „Wenn man eine Stelle im öffentlichen Dienst im Lebenslauf stehen hat, ist es schwierig, wieder einen anderen Job zu bekommen“, antwortet der Angeklagte.

Am Donnerstag vor dem Banküberfall habe er dann ein Gespräch mit der Bauhofleiterin und seinem Chef im Rathaus gehabt, um über die Schikane zu sprechen. Am Freitag hätte es ein weiteres Gespräch geben sollen. Doch dazu kam es nicht: Der Angeklagte fuhr am Freitagmorgen ziellos durch die Gegend, dann stellte er sein Auto am Bahnhof in Wiesloch ab und fuhr mit dem Zug nach Trier. An diesem Abend habe er kein Hotelzimmer bekommen, habe eine Nacht auf der Straße verbracht und sei am nächsten Tag mit dem Zug nach Saarbrücken gefahren. Zwei Tage habe er im Hotel in Saarbrücken geschlafen und dort beschlossen, in Wittlich eine Bank zu überfallen. „Ich wusste, dort gibt es ein großes Gefängnis.“

Das sagen die Zeugen „Er kam mir nicht gewalttätig vor“, sagt die Bankangestellte über den Angeklagten. Psychische Probleme aufgrund der Tat, so das Opfer, habe sie keine. In den Wochen nach der Tat habe sie aufmerksamer auf junge Männer geschaut, die die Bank betreten haben.

„Wir waren auf dem Weg zum Tatort, als ein Mann uns per Handzeichen anhielt“, sagt einer der Polizisten, die am Tattag im Dienst waren. „Das ist mir in 23 Jahren bei der Polizei noch nicht untergekommen“, berichtet der 43-Jährige. Auf der Polizeiinspektion macht der Oftersheimer falsche Angaben zu seiner Person, behauptet, er heiße Markus S., habe auf der Straße gelebt und sei mit dem Zug aus Hamburg gekommen. „Er wirkte verzweifelt und sagte, er wolle aus der Obdachlosigkeit in den Knast“, sagt der Wittlicher Polizist. Bluttests bleiben ohne Auffälligkeiten, kein Alkohol, keine Drogen. Weil ihn seine Eltern als vermisst gemeldet hatten, kommen die Beamten seiner Identität auf die Spur. Als Motiv für seine Tat gibt der Angeklagte an, er habe einfach nur ins Gefängnis gehen wollen. „In den Polizei-Protokollen steht, Sie hätten das Geld genommen, wenn Sie es bekommen hätten“, hält Richter Hardt jedoch dagegen.

So geht es weiter Die Verhandlung wird am Mittwoch, 20. März, fortgesetzt. Unter anderem kommt der Vorgesetzte aus dem Hockenheimer Rathaus zu Wort und eine Psychologin gibt ihre Einschätzung zur psychischen Verfassung des Angeklagten. Anschließend soll plädiert und das Urteil verkündet werden.

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