Geschäftsstraße ohne Geschäfte

KLAUSEN. Das letzte noch bestehende Geschäft in der Klausener Eberhardsstraße, die Bäckerei Turk hat geschlossen. Damit gibt es nach der Aufgabe zweier Bekleidungsgeschäfte und einer Metzgerei keinen Laden mehr im Ortskern von Klausen.

So mancher Kunde zeigte sich beim samstäglichen Einkauf erstaunt oder gar schockiert. Als ein Kunde ein paar Brötchen für Sonntag vorbestellen wollte, erwiderte Anni Schmitt: "Tut mir leid, aber wir haben ab morgen geschlossen.". Seit Mai 2003 waren Horst und Anni Schmitt Pächter der alteingesessenen Bäckerei Turk. Das Ende kam für die Kunden zwar plötzlich, war aber wohl schon länger absehbar. Viele Dinge liefen nicht so, wie sie gewünscht waren. So wurde nach einem Defekt des Backofens der Betrieb in der Backstube eingestellt. Die Backwaren wurden fortan von den Bäckereien Markus Braband in Klüsserath und der Mühlenbäckerei Ambrosius in Lüxem bezogen. In dieser arbeitet auch Bäckermeister Heinz-Peter Thul: "Mir machte es als Klausener viel Freude den Betrieb zu beliefern, in dem ich meine Lehre absolviert habe." Die Winter waren schwierig

Anni Schmitt bedauert die Situation ebenfalls. Aber die Winter seien bei gleich bleibenden Kosten schwierig gewesen, zudem blieb das Wallfahrtsgeschäft hinter den Erwartungen zurück. Viele Wallfahrer fanden den Weg gar nicht erst bis zur Bäckerei, sie brachten das Essen mit oder kehrten in eine der Gaststätten ein. Des öfteren seien Besuchergruppen angemeldet gewesen, die dann gar nicht erschienen. So sei es schwierig gewesen, die personelle Besetzung den Gegebenheiten anzupassen, da die Pächter-Familie nicht am Ort wohnte. Außerdem waren Horst und Anni Schmitt bei der Übernahme davon ausgegangen, das Postgeschäft in der Bäckerei Turk weiterzuführen, was zusätzliche Kundschaft gebracht hätte. Leider hat die Post ihre Agentur in Klausen geschlossen. In Zukunft soll die Versorgung der Bürger durch den Einsatz von Verkaufswagen gesichert werden. Horst Schmitt hatte Glück: Er fand im Herbst vergangenen Jahres wieder eine Anstellung in seinem alten Betrieb.Teilzeitarbeitsplätze durch einen Dorfladen?

Bürgermeister Alois Meyer zeigt sich kämpferisch: "Jetzt sind wir gefordert, eine Lösung zu finden. Wir wollen nicht, dass die Straße ausstirbt und werden die Idee der Einrichtung eines Dorfladens wieder aufgreifen." Neben Gütern des täglichen Bedarfs könnten dort verschiedene Dienstleistungen angeboten werden. "Dadurch können auch Teilzeitarbeitsplätze für Frauen geschaffen werden." Durch das neue Baugebiet und das Ferienhausprojekt (der TV berichtete) sieht Meyer die Chance, dass neue Kunden kommen. Dazu müsste die Geschäftsstraße aber wiederbelebt werden. Mit der Schaffung von Sehenswürdigkeiten, insbesondere der Neugestaltung des Abtsgartens, soll Wallfahrern der Anreiz gegeben werden, länger in Klausen zu verweilen.

Mehr von Volksfreund