Geschichte dem Vergessen entreißen

GONZERATH. Der neue Heimatverein in Gonzerath geht mit Schwung ans Werk. Nachdem das Kriegerdenkmal wieder in Schuss ist, peilt der Heimatverein das nächste Projekt an: Eine Gruppe von engagierten Gonzerathern nimmt eine Dorfchronik in Angriff.

Der Schutzpatron von Gonzerath ist der Heilige Antonius. Er wird häufig von Menschen um Hilfe gebeten, die etwas suchen. Auf Willi Gorges und seine Mitstreiter Benno Bechtel, Dietmar Linn, Richard Klippel, Manfred Schneider und Dietmar Thömmes trifft dies in den kommenden Monaten und Jahren sicher in besonderem Maße zu. Beim Erstellen eine Dorfchronik kommt eine derartige Hilfe natürlich wie gerufen. Denn Suchen ist erste Chronistenpflicht. "Vieles ist leider in Vergessenheit geraten", weiß der Vereinsvorsitzende. Gorges bedauert, dass viele Zeitzeugen nicht mehr leben. Man stützt sich in der Recherche zunächst auf Quellen. Besonders interessant ist die Orts- und Schulchronik von Theodor Metzdorf - von 1908 an Lehrer in Gonzerath. Er hat akribisch notiert, wann der Schulrat Visitationen gemacht hat, wann welcher Lehrer die Gonzerather Kinder unterrichtete und vieles mehr. Der einzige Haken: Das Werk ist in Sütterlin abgefasst. "Wir müssen sie also zunächst übersetzen", beschreibt Gorges den Aufwand, den die Hobby-Heimatforscher betreiben. Apropos Schulchronik. Natürlich hatte Gonzerath wie jedes andere größere Dorf eine Schule. Genauer gesagt waren es über die Jahre verteilt sogar drei Schulgebäude, das erste wurde 1825 erbaut. Arbeitsunfall war der Anfang vom Ende

Aber wie kam es dazu, dass Gonzerath als zweitgrößter Ort in der Einheitsgemeinde heute seine Schulkinder nach Morbach schickt? Um diese Frage zu klären, muss Gorges keine Chronik bemühen. Das weiß der 66-Jährige aus eigener Anschauung, hatte er doch selbst Kinder in der Dorfschule. Eigentlich war ein Arbeitsunfall der Anfang vom Ende: Eine mehrere Zentner schwere Tafel sei der Lehrerin auf den Kopf gefallen. Sie war lange dienstunfähig. Mit den Vertretungen klappte es nicht. Als die Eltern die Situation nicht länger hätten hinnehmen wollen, wurde ihnen 1972 angeboten, dass Gonzerather Kinder die Schule in Morbach besuchen könnten. Die Eltern stimmten zu, der Ortsgemeinderat ebenso. Damit war das Schicksal der Schule besiegelt. Wenig später gab es den Ortsgemeinderat nicht mehr. Denn 1974 wurde aus der Verbandsgemeinde Morbach eine Einheitsgemeinde. Auch an dieser Veränderung sind die Gonzerather nicht unschuldig. Ihre Stimmen galten damals als Zünglein an der Waage, als andere Orte wie Haag, Bischofsdhron und Hundheim ihre Selbstständigkeit nicht verlieren wollten. Natürlich soll auch diese geschichtliche Entwicklung Bestandteil der Chronik werden. Viele Themen warten auf die Chronisten. Sei es der verheerende Brand von 1871, dem drei Viertel von Gonzerath zum Opfer gefallen sei. Sei es die bessere Wasserversorgung, um die Gonzerath viele Jahre kämpfen musste. Oder sei es die Geschichte des "Judenbungert", einer Hütten-Siedlung, wie es sie in der Region häufiger gab. Die armen und isolierten Bewohner fristeten ihre Existenz mit Kleinstgewerbe wie dem Korbflechten oder Besenbinden. Nicht von ungefähr nennt sich die Jugendgruppe des Ortes "Besenbinner". Wie sieht Gonzerath im Jahr 2020 aus? Schicken Sie uns bitte bis Mittwoch, 24. August, kurz gefasst ihre Vorstellungen. Sie erreichen uns postalisch in der Martinusstraße 2, 54411 Hermeskeil, per Fax unter 06503/981625 oder per E-Mail unter: hunsrueck@volksfreund.de.

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