Geschichte der Justizvollzugsanstalt Wittlich: Erstes Jugendgefängnis auf dem europäischen Festland

Geschichte der Justizvollzugsanstalt Wittlich: Erstes Jugendgefängnis auf dem europäischen Festland

Die Justizvollzugsanstalt Wittlich gehört zur Stadt wie die Kirmes oder ihre Kirchen: Die Anstalt in der Trierer Landstraße hat, zählt man die Jugendstrafanstalt dazu, Platz für und 1000 Gefangene und ist der größte Gefängniskomplex im Land.

Die Trierer Landstraße in Wittlich ist vielen Menschen auch außerhalb der Säubrennerstadt ein Begriff. Denn dort steht die Justizvollzugsanstalt (JVA) Wittlich.

Optisch haben die roten und weißen Mauern des Gebäudes, die hinter der hohen Mauer hervorschauen, wenig mit einem Gefängnis im klassischen Sinne zu tun: Wer nicht weiß, dass sich hier eine Haftanstalt befindet, merkt nicht, dass er gerade das modernste und größte Gefängnis im Land passiert hat.

Das Wittlicher Gefängnis wurde 1902 als Doppelanstalt bestehend aus "Königlichem Männer-Gefängnis" und "Königlichem Weiber-Gefängnis" gegründet. Das Anstaltsgebäude, das in der für die damalige Zeit typischen Strahlenbauweise gebaut wurde, war zunächst für 708 Gefangene ausgelegt.

1912 eröffnete dann im Gebäudeteil des Frauengefängnisses ein Jugendgefängnis, die damals erste Jugendstrafanstalt (JSA) auf dem europäischen Festland. Von 1945 bis 1948 wurde das JSA-Gebäude zeitweilig wieder als Frauengefängnis genutzt.

Im Sommer 1943 diente die JVA Wittlich als Ausweichunterbringung für die Nacht-und-Nebel-Gefangenen aus dem Kölner Gefängnis Klingelpütz, das durch Bombenangriffe stark beschädigt war.

Auch das für diese Gefangenen zuständige Sondergericht Köln tagte damals in Wittlich. Nach dem Zweiten Weltkrieg nutzten die französischen Besatzer das Gebäude als Kriegsverbrechergefängnis. Hier verbüßten die verurteilten Kriegsverbrecher und Verbrecher aus den NS-Prozessen in der französischen Zone ihre Haftstrafen.
Bekannte Gefangene der JVA Wittlich waren Otto Funke, kommunistischer Widerstandskämpfer, der in den 1930er Jahren von den Nazis inhaftiert wurde, der RAF-Terrorist Holger Meins, und Klaus von Raussendorff, langjähriger Stasi-Spion im Auswärtigen Amt, der von 1991 bis 1994 einsaß. Meins starb in der Wittlicher Anstalt am 9. November 1974 nach einem 58-tägigen Hungerstreik.

Doch mit dem Gefängnis von damals hat die heutige JVA kaum noch etwas gemeinsam, das Gebäude wurde häufig modernisiert. Von 1996 bis 2000 wurde das Gebäude der Jugendstrafanstalt umfassend renoviert. Zwischen 2004 und 2009 erweiterte zum Beispiel das Land für 70 Millionen Euro die Haftanstalt. Zusammen mit der Jugendstrafanstalt hat die Anstalt nun 900 Haftplätze und ist damit der größte Gefängniskomplex in Rheinland-Pfalz.

2010 wurde das Krankenhaus der Anstalt neu gebaut. Dort werden in 68 Betten weibliche und männliche Gefangene der Länder Rheinland-Pfalz und Saarland behandelt.

Zudem gibt es in der Anstalt zur Beschäftigung von Gefangenen mehrere Arbeitshallen mit verschieden Produktionsflächen, in denen Eigenbetriebe und Unternehmerbetriebe untergebracht sind.

Gefangene des offenen Vollzugs sowie Gefangene des geschlossenen Vollzuges mit Lockerungen können auch außerhalb der Anstalt arbeiten. Im vergangenen Jahr wurde nach rund vierjähriger Bauzeit das neue Wirtschaftsgebäude der JVA Wittlich eingeweiht.

In dem zweigeschossigen Bau sind Küche, Metzgerei, Bäckerei und Wäscherei der Anstalt untergebracht. Insgesamt 65 Unternehmen - davon 20 Firmen aus der Region - waren an der Planung sowie dem Bau des neuen Gebäudes beteiligt. Seit der Inbetriebnahme können dort bis zu 2000 Essen gekocht, fünf bis sieben Tonnen Wäsche gewachsen und gemangelt und mindestens 800 Brote pro Tag gebacken werden.

Unter Landmarken versteht man außergewöhnliche Formationen im Gelände, die zum Beispiel Wanderern zur Orientierung dienen. Dabei kann es sich um natürliche, aber auch um vom Menschen geschaffene Wahrzeichen handeln.Extra

In der Justizvollzugsanstalt (JVA) Wittlich sind vom Landgericht Trier verurteilte Gefangene untergebracht, die eine zwei- bis fünfjährige Haft absitzen müssen, sowie Gefangene, die vom LG Koblenz zu einer bis zu zweijährigen Haftstrafe verurteilt wurden. In den offenen Vollzug dürfen Männer ab einem Jahr noch zu verbüßender Freiheitsstrafe, die vor dem Landgericht Trier ausgesprochen wurde. Die in den Betrieben der JVA hergestellten Produkte werden auch verkauft. Produkte der Eigenbetriebe gibt es in der JVA-Gärtnerei, Trierer Landstraße 78, sowie auf regionalen Ausstellungen. In der Jugendstrafanstalt (JSA) bleiben die Gefangenen im Schnitt zwischen zwölf und 14 Monaten. Die Mindesthaftzeit sind sechs Monate, die Höchststrafe zehn Jahre, in extremen Ausnahmefällen sind im Jugendstrafrecht auch bis zu 15 Jahre möglich. Im offenen Vollzug bietet die JSA sieben Haftplätze an. will

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