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Geschichte und Geschichten aus St. Bernhard

Geschichte und Geschichten aus St. Bernhard

Die Pfarrkirche St. Bernhard ist vor 60 Jahren gebaut worden. Sie war auch Garnisonskirche der Franzosen in Wittlich. Wegen der Nähe zum Kloster Himmerod wurde der heilige Bernhard als Schutzpatron gewählt. In einer Kirchenführung von Hans-Günther Poth konnte man viel über das Gotteshaus erfahren.

Wittlich. Der moderne Bau in der St. Bernhardstraße fällt auf. Zwar ragt sie nicht, wie die Kirche von St. Markus über die ganze Stadt, aber auch an der Hallenkirche, die 1955 gebaut wurde halten viele Menschen an, um sie sich näher anzusehen. Besonders gut Bescheid über das Gebäude weiß Familie Poth. Ihren Vorfahren gehörte das Grundstück auf dem die Kirche heute steht, und alle in der Familie haben sich von Anfang an im Gotteshaus engagiert: Die Großmutter war die erste Küsterin, Hans-Günther Poth war 50 Jahre Chorleiter, und ist immer noch Küster und Organist. Seine Frau Anneliese hat während des Baus sogar einige Steine am Turm mauern dürfen.
Musiker loben die Akustik


Wer also könnte besser eine Kirchenführung leiten, wie jemand aus dieser Familie? Hans-Günther Poth hat das dann auch gemacht. Er weiß beispielsweise, dass es schon vor dem Ersten Weltkrieg Pläne gab, eine Kirche an diesem Standort zu bauen und das auch eine dritte Kirche auf dem Sehlemet für Wittlich im Gespräch war.
Beim Eintreten fällt den Besuchern gleich die aufwendig gestaltete Holzdecke auf, die ein Wittlicher Schreiner gemacht hat. Auch der Chor ist eine Besonderheit. Das Holzkreuz aus dem Jahr 1648, das über dem Altar hängt, war ursprünglich eine Leihgabe von St. Markus, aber dann hat es den Gemeindemitgliedern so gut gefallen, dass es von St. Markus gestiftet wurde. Wenn es von beiden Seiten angestrahlt wird, wirft es Schatten links und rechts neben sich und so entsteht die "Golgota Beleuchtung", die auf die Kreuzigungsszene hindeutet. Auf die Frage, wie viele Menschen in St. Bernhard Platz haben, liest Poth ein Zitat von Dechant Karl Thommes vor: "380 bis 400 Plätze gibt es, die Orgelempore nicht mitgerechnet, da sich dort erfahrungsgemäß das weniger religiöse Volk befindet."
Einiges in der Kirche ist von Bildhauer Hanns Scherl, beispielsweise das Taufbecken, der Altar oder der Kreuzweg. Das bunte Fensterbild an der Straßenseite gestaltete der 21-jährige Eduard Pastor aus der Garnison in Wittlich, die die Kirche ebenfalls nutzten. Es zeigt den Heiligen Bernhard vor der Muttergottes kniend und als Kreuzzugsprediger mit Bischhofsstab und Kreuz. Hans-Günther Poth: "Wir hatten immer ein sehr gutes Verhältnis zu Garnison. Sie haben sich sehr für die Kirche eingesetzt, dafür hatten sie auch eine eigene Messezeit - sonntags um 10 Uhr." Heute ist jede Woche samstags ein Gottesdienst in St. Bernhard und alle 14 Tage montags.
Gelobt wird von vielen Musikern und Sängern die Akustik. Viele Feste und Feiertage sind in den vergangenen 60 Jahren dort gefeiert worden, Dekanatssingen, Einführung neuer Priester, Glockenweihen oder Konzerte. Für Hans-Günther Poth sind es aber die wöchentlichen heiligen Messen, die für ihn immer wieder etwas Besonderes sind.
Extra

Erinnerungen an die Einweihung der Kirche: Die historischen Fotos zeigen, wie die Glocke von Helfern abgeladen wird und Weihbischof Dr. Stein bei der Segnung. Fotos (2): privat Foto: (m_wil )
Foto: (m_wil )

Die Kirche wurde von Dr. Weyres, Dombaumeister aus Köln geplant, ausgeführt hat die Pläne vor Ort Architekt Meilen. Der Spatenstich für die Kirche war am 6. September 1953, der Grundstein wurde am 18. Oktober 1953 gelegt. Am 16. Juni 1954 kam der Hahn auf das Kirchturmdach. Die Benediktion (Einsegnung) war am 9. Oktober 1955 durch Weihbischof Dr. Stein, zu der tausende deutsche und französische Katholiken gekommen waren. 1973 erhielt die Kirche eine Orgel des Orgelbaumeisters Alfred Führer aus Wilhelmshaven. Im Jahr 2000 gab es ein neues Taufbecken und einen zusätzlichen Altar. Momentan wird das Dach der Kirche renoviert. chb