GESCHICHTE

SCHLADT. (ger) Die Landstraße zwischen Großlittgen und Laufeld führt über Schladt, ein kleines Dorf auf den Höhen der Lieser in der Verbandsgemeinde Manderscheid. Manchem Autofahrer ist die "Schladter Schweiz" bekannt, allerdings nicht unter diesem Namen, sondern eher schon als "Schladter Loch".

Nicht etwa, dass im Liesertal zwischen Großlittgen und Schladt unerwartete Hindernisse auftauchen. Nein - der Weg hat seinen Schrecken in einer Zeit gut ausgebauter Straßen verloren. Außerdem führt der schönste Wanderweg Deutschlands, der Lieserpfad, durch das Schladter Loch. Trotzdem bilden die Serpentinen eine in heutigen Zeiten ungewöhnliche, wenn auch kurze Klettertour mit enger Straßenführung und beeindruckenden Landschaftsformen, manchmal dicht an den Felsen vorbei. Die Fahrt hinunter endet nicht in einem lang gestreckten Talweg, sondern führt nach wenigen Metern ebenso steil wieder hinauf. Rigoros gegenüber den Bauern

Der Ort Schladt wird in der Literatur schon mal als Dorf "am Rande der Lieser" bezeichnet. Das Attribut "am Rande" mag geografisch gerechtfertigt sein. Historisch würde es einen falschen Abriss seiner Geschichte und der Mentalität seiner Bewohner geben. An den Rand haben sich die Schladter nicht drängen lassen. Befehlsempfänger wollten sie selbst in der Feudalzeit nicht sein, als demokratische Meinungsbildungsprozesse und verbale Streitereien kaum geduldet wurden. Bereits im 14. Jahrhundert wird erkennbar, dass sich das Dorf (Ersterwähnung um 1050/80) schwer tat, Teil der Herrschaft Manderscheid zu sein. Insbesondere die seinerzeit übliche Leibeigenschaft missfiel den Dörflern, zumal rechts der Lieser in den zum Kurstaat Trier zählenden Orten Karl und Großlittgen die Leibeigenschaft teilweise aufgehoben war. Dies verlockte auch die Schladter Bewohner, den Zwängen der Grafschaft zu entfliehen und ihr Heimatdorf zu verlassen. Freizügigkeit im heutigen Sinne wurde jedoch nicht geduldet. Der Graf hatte einem Ortswechsel zuzustimmen, in der Regel tat er dies nur gegen Zahlung eines Freikaufgeldes. 1395 beispielsweise flüchteten drei Dorfbewohner, ohne das dazu notwendige Loskaufgeld zu zahlen. Nach kurzer Zeit waren sie wieder "eingefangen". Konsequenz: Die Schladter Mitbewohner wurden verpflichtet, bei einem erneuten Ausrücken bis zu 200 schwere Mainzer Gulden zu zahlen. Langfristig arrangierten sich die Schladter mit ihrem Schicksal. Der Manderscheider Herr und spätere Graf blieb weiterhin Grund- und Gerichtsherr. Sitz des Grafen wurde (Ober-)Kail. Die Linie Manderscheid-Kail blieb bis zu ihrem Aussterben 1742 tonangebend, dennoch in ihrer Machtausübung gemäßigt. Dann tauchten erneut Probleme auf. Die Nachfolger der Kailer Linie, die Grafen von Manderscheid-Blankenheim, übten ihre Macht ungewohnt rigoros gegenüber den Bauern aus. Überzogene Abgaben und Dienstleistungen sollten eingefordert werden. Im Januar 1769 erklärten die Schladter, dass sie die Wachdienste im Oberkailer Schloss nicht mehr ausführen würden, da es nicht mehr bewohnt sei. Im Oktober 1780 weigerten sich die Schladter, Brennholz auf Schloss Manderscheid zu fahren. Diese Weigerung war ein deutliches Signal ihrer Ablehnung der gräflichen Herrschaft und gipfelte 1783 in der schriftlich fixierten Befürchtung der Grafschaftsbewohner, dass "ihr völliges Verderben nicht entfernt" sei. Soweit kam es dann doch nicht. Die gräfliche Zugehörigkeit ist längst Vergangenheit. Das heutige 140-Einwohner-Dorf, immerhin selbstständige Gemeinde, hat dennoch seine Beziehungen zu Manderscheid aufrechterhalten. Seit 1934, als die Bürgermeisterei Laufeld aufgelöst wurde, gehört es politisch zur VG Manderscheid.