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Gesellschaft

Zum Artikel "Die Brachflächen sind das große Problem" (TV, 16. März):

Da wird gefordert, Kulturlandschaft muss gepflegt werden! Es werden die Brachen in den Steillagen beklagt, Unaufgeräumtheit und unästhetische Ablagerungen an und auf den Wingerten angeprangert. Nun kann man verschiedener Meinung sein, wie aufgeräumt und wie ästhetisch das Umfeld moselländischer Weinberge sein muss, um keine Touristen zu vergrätzen. Trotzdem ist viel Wahres in dem Artikel. Die Vorschläge der Weinbaufunktionäre, Winzer, Bürgermeister, Touristiker sind nachvollziehbar! "Die kurz gefaßte Antwort" - so liest man dort, "könnte lauten: Arbeit, Engagement, Geld und viel Zeit." Alles richtig! Nur: Würde es genügen? Meine Antwort: Nein. An der Misere würde sich nichts ändern. Warum? Leider muss man es so sehen: Den typischen Moselaner zeichnet eine Charaktereigenschaft aus, die wenig Hoffnung lässt: Er ist vor allem eins: Egomane. Ihn interessiert nur, was ihn direkt betrifft. Was hinter der nächsten Moselschleife passiert, lässt ihn kalt. Es mangelt ihm an allem, was mit Solidarität umschrieben werden kann, schlicht eine Folge der jahrhundertelangen Zersplitterung der moselländischen Territorien: Das nächste Dorf war sponheimisch, nicht mehr trierisch. Hinter der nächsten Biegung herrschten die Papisten, die Kaiserlichen oder sonstwer - da hält man sich am besten fern! Sollen die doch machen, was sie wollen - wir machen es anders! Diese Denkart zeigt sich überall: Kommunalreform? Nix da! Windmühlen an unserer Gemarkung? Protest! Eine landschaftsverschandelnde Brücke bei Ürzig/Zeltingen? Nicht unser Bier - sollen die doch mit diesem Betonmonster leben - uns in Traben-Trarbach, Bernkastel, Zell interessiert nur, ob das Ding uns ein paar Touristen mehr ins Dorf spült. Liebe Moselaner: Wacht auf! Die Zeit der Duodezfürstentümer am Fluss ist vorbei, nur Einigkeit macht stark. Und die Brücke? Die verhindert, dass die Mosel in den Genuss des Unesco-Welterbes kommt. Und das brächte dem Tal und seinen Bewohnern Zig-Tausende zahlungskräftiger Touristen aus aller Welt! Es ist die Brücke, die das verhinderrn würde! Immer noch uninteressiert? Wilfried Schnatmeyer, Graach