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Gespräche gescheitert: Eiszeit bei Huhtamaki

Gespräche gescheitert: Eiszeit bei Huhtamaki

Verhandlungsstopp bei Huhtamaki in Alf: Die Gespräche zwischen der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) und der Unternehmensleitung von Huhtamaki über die Umstrukturierung des Werks in Alf wurden ohne Ergebnis abgebrochen. Auch ein neuer Vertrag zur Sicherung des Werks wurde nicht unterzeichnet.

Alf. Daher muss Huhtamaki seinen Mitarbeitern rückwirkend zum 1. Januar wieder den vollen Tariflohn zahlen, der seit Jahren ausgesetzt war. Welche personellen Konsequenzen der Verhandlungsstopp haben wird, steht nach Angaben von Madlen Lemke, zuständig für Personal und Recht bei Huhtamaki, noch nicht fest.
In den vergangenen Tagen haben sich mehrere Mitarbeiter des finnischen Verpackungsherstellers bei der Agentur für Arbeit arbeitslos gemeldet. Die Angestellten des Konzerns haben laut Aussage des Unternehmens einen freiwilligen Aufhebungsvertrag unterschrieben, das heißt, sie haben gegen eine Abfindung Huhtamaki verlassen. "Wir haben keine Kündigungen ausgesprochen", sagt Madlen Lemke.
Freiwillig gegen Abfindung


Dass sich mehrere ehemalige Mitarbeiter arbeitslos gemeldet haben, bestätigt Jutta Velten, Geschäftsstellenleiterin der Bundesagentur für Arbeit in Cochem. Allerdings gab es bisher keinerlei Absprachen zwischen Huhtamaki und der Agentur, sagt Velten. Eine Anfrage an den Konzern, die Mitte Januar gestellt wurde, wie es denn nun im Alfer Werk weitergehe, sei bisher nicht beantwortet worden. Madlen Lemke sagte, dass das Unternehmen weiterhin auf das Angebot setzt, dass Mitarbeiter das Unternehmen freiwillig gegen eine Abfindung verlassen. Wie viele Mitarbeiter das Angebot bisher angenommen haben beziehungsweise wie viele Angestellte weiter im Werk arbeiten sollen, konnte Lemke nicht beantworten. "Wie sich das personell auswirkt, kann ich noch nicht sagen."
Noch vor zwei Wochen sah es so aus, als hätten Huhtamaki und die Gewerkschaft BCE eine gemeinsame Lösung gefunden. "Ich könnte es so unterschreiben", sagte Holger Zimmermann, Bezirksvorstand der IG BCE Neuwied-Wirges. Damit meinte er eine Vereinbarung, wonach die Mitarbeiter 2012 auf 7,5 Prozent ihres Lohnes verzichten, damit Huhtamaki von betriebsbedingten Kündigungen absieht. Doch der Vertrag wurde nicht unterzeichnet.
"Wir sind nicht zu einem gemeinsamen Ergebnis gekommen", sagt Madlen Lemke. Zudem wird es keine weiteren Verhandlungen geben. Damit werden die Gehälter der Mitarbeiter des Werks in Alf rückwirkend zum 1. Januar dieses Jahres wieder auf den vollen Tariflohn angehoben. Seit 2006 haben die Mitarbeiter auf Lohn verzichtet, um ihren Arbeitsplatz zu sichern. Diese Vereinbarung gilt nun nicht mehr.
Seit acht Jahren schreibt das Werk in Alf rote Zahlen. Die Unternehmensleitung will umstrukturieren, Produktionslinien sollen aufgegeben werden, um den Standort profitabel zu machen.Extra

Vom Süßwarenhersteller zum Verpackungsriesen: Im Jahr 1920 gründete Heikki Huhtamäki das Unternehmen Huhtamäki Industries in Kokkola, Westfinnland. Der Betrieb stieg zu einem der größten Süßwarenhersteller des Landes auf. Nach und nach kamen weitere Geschäftssegmente hinzu, etwa Kosmetik, Pharmazeutika, Verpackungen. Von 1997 an spezialisierte sich das Unternehmen auf Verpackungen, zum Beispiel auf Getränkebecher und Kunststoffgeschirr. Bis 2001 übernahm Huhtamaki 14 Betriebe, dar unter den niederländischen Verpackungsriesen Van Leer. In die Erweiterung des Hochregallagers in Lutzerath investierten die Finnen noch im Jahr 2008 rund 6,5 Millionen Euro. Es wurde im Februar 2009 eingeweiht. dad