Gespräche über Liebe

KLOSTER HIMMEROD. (peg) Engagierte Menschen aus der Region hatte Pater Stephan ins Kloster geladen. Im Biblischen Nachtcafé sprachen sie über die Dinge, die ihnen im Leben am Herzen liegen.

"Der Mensch ist so viel Mensch und so groß Mensch, als er liebt." Dieser Satz des von den Nationalsozialisten ermordeten Jesuiten Alfred Delp war das Motto des dritten Biblischen Nachtcafés, zu dem Pater Stephan Reimund Senge ins Refektorium der Abtei Himmerod geladen hatte. Selbst Literat, gelang es dem schreibenden Mönch einmal mehr, schwere Themen leichtfüßig moderierend zu umrahmen: Weder der von Kriegen gezeichnete Staat Israel, noch behinderte Kinder oder die Arbeit eines Klinikgeistlichen lassen vermuten, wie oft die rund 60 Gäste im Refektorium der Abtei dennoch schmunzelten. Es ging auf dem Podium schließlich nicht darum, das Schwere der jeweiligen Arbeit in den Vordergrund zu stellen, im Gegenteil. Viel war die Rede von der Freude und der Hoffnung. So hatte Sonderschullehrer Alois Mayer, Gründer der Laurentius-Schule Daun, eben erst den Abschied zahlreicher behinderter Mädchen und Jungen von der Schule gefeiert. Das wunderschöne Fest habe ihn mit großer Freude erfüllt, besonders "...wenn ich mir klarmache, dass man diese Kinder vor 60 Jahren noch versteckt oder durch den Schornstein gejagt hat". Auch der frühere Regierungspräsident von Trier, Gerhard Schwetje, seit acht Jahren Klinikpfarrer, beschreibt seine Erlebnisse dort als positiv. Vielleicht liege das daran, dass er das kostbarste, weil das teuerste Gut der heutigen Zeit, mit ans Bett bringt: die Zeit. Sicher habe seine Arbeit auch ihre schweren Seiten: Sterbende im Alter seiner Kinder bedrückten ihn sehr, gestand er. Dennoch habe er noch keinen einzigen Patienten erlebt, der nach der Krankensalbung nicht ruhiger gewesen wäre als zuvor. Von den Erfahrungen, die er auf rund 40 Reisen nach Israel gemacht hat, erzählte Prälat Herbert Hoffmann. Ihn verbindet seit der Studentenzeit eine große Liebe zu diesem Land. Täglich erinnert ihn die Kachel mit der hebräischen Aufschrift eines Psalmes daran: "Die rechte Hand soll mir verdorren, wenn ich dein vergesse, Jerusalem." Mitgebracht hatte Hoffmann das defekte Schloss, das er einst in der judäischen Wüste fand. Es wurde ihm zum Symbol fürs ganze Leben. Genau so solle der Mensch sein Herz für Gott und die Liebe öffnen: auf dass es nie mehr zu gehe. Die vierte im Bunde war Christel Aretz von der Clara-Viebig-Gesellschaft Bad Bertrich. Sie stellte die Novelle "Simson und Delila" der als Eifeldichterin bekannt gewordenen und bis vor wenigen Jahren noch sehr umstrittenen Viebig vor. Trotz des biblischen Themas, so schreibt sie, ist die Geschichte "in meiner Heimat, oben in den Eifelbergen, entstanden", dort, wo die Poesie lebe. Einfühlsam ergänzte die Musik des Trio Intermezzo das Thema des Abends: Cornelia Grewelding, Barbara Görgen-Mahler und Michael Klink ließen ihre Instrumente über die Größe des liebenden Menschen sprechen.