Gewerbegebiet Wittlich-Wengerohr wächst mit Brüssel Straße

Wirtschaft : 2,6 Hektar für mehr Gewerbe

Die Stadt Wittlich erschließt mit der Brüsselstraße den letzten Abschnitt des Industrie- und Gewerbegebiets Wengerohr-Süd. Die letzten Happen vom Investoren-Büfett werden nicht billig.

In Boomtown Wittlich wird mal wieder in die Hände gespuckt und kräftig gebaggert, geteert, gemauert und gesägt. Das Industriegebiet Wengerohr-Süd geht seiner Vollendung entgegen: Nahe des Park & Ride-Parkplatzes am Bahnhof wird derzeit die „Brüsselstraße“ aus dem Boden gestampft. Damit entsteht als Abzweigung von der Europastraße ein neuer und letzter Abschnitt des Gewerbegebiets Wengerohr-Süd. Mit der rund 240 Meter langen Straße samt Wendehammer sollen neun Gewerbegrundstücke auf einer Gesamtfläche von 2,6 Hektar erschlossen werden.

Bereits seit einem Jahr bekunden viele Unternehmen ihr Interesse an einer Ansiedlung in der Brüsselstraße“, sagt Rainer Stöckicht, Pressesprecher der Stadt Wittlich. In den kommenden Sitzungen der städtischen Gremien – die Sommerpause dauert bis Anfang September – sollen die Bewerbungen um die Grundstücke vorgestellt und beraten werden. Zu den Interessenten macht die Stadt keine Angaben.

Doch wer noch einen letzten Happen vom Büfett ergattern möchte, der muss deutlich mehr Geld auf den Tisch legen, als die bereits angesiedelten Betriebe zahlen mussten. Denn die Preise für die Gewerbegrundstücke in der Brüsselstraße wurden in der Sitzung des Stadtrates am 23. Mai auf 60 Euro pro Quadratmeter festgesetzt. Zuvor lag der Quadratmeterpreis für Gewerbegrundstücke in Wengerohr-Süd bei 35 Euro. Stöckicht: „Die Nachfrage nach Gewerbegrundstücken liegt weiterhin deutlich über dem zur Verfügung stehenden Angebot entsprechender Flächen.“

Die Stadt kann und will nicht jeden Bewerber nehmen, sondern sich aus der Bewerberschar mal wieder die Rosinen rauspicken – was ja nicht schlecht ist, wenn man es sich leisten kann. „Wünschenswert sind innovative Unternehmen mit hoher Produktivität und möglichst vielen Arbeitsplätzen.“

Doch in diesem letzten Abschnitt des insgesamt 62 Hektar großen Industrie- und Gewerbegebiets ist für Unternehmer gar nicht alles möglich. Grund ist die Nähe zur Wohnbebauung:  Im Südwesten grenzt das Areal an ein Neubaugebiet. Das Thema Lärm wurde bereits – wie üblich – im Rahmen der Aufstellung des Bebauungsplans mithilfe eines schalltechnischen Gutachtens untersucht. So wurden für verschiedene Bereiche im Industriegebiet Wengerohr-Süd unterschiedliche Lärmkontingente festgesetzt. Im Ergebnis: In der Brüsselstraße ist zum Schutz der nahen Anwohner Gewerbe, jedoch keine Industrie erlaubt. Stöckicht: „Aufgrund der Grundstücksgrößen zwischen 2000 und 3700 Quadratmetern und der Ausweisung als Gewerbegebiet ist dort nur Gewerbe möglich.“

Die Erschließungsarbeiten, welche die Stadt und Stadtwerke knapp eine halbe Million Euro kosten, sollen Ende Oktober abgeschlossen werden. Wenn die Flächen in der Brüsselstraße an den Mann gebracht und bebaut sind, ist die Stadt vorerst mal wieder ausverkauft. Interessenten müssen sich dann bis zur Erschließung des Industriegebiets III Nord in der Röntgenstraße am Bungert-Festplatz gedulden, welches gerade in der Planung ist. Stöckicht: „Zukünftige Gewerbeflächenpotentiale im Stadtgebiet werden derzeit von der Verwaltung untersucht und anschließend in den städtischen Gremien beraten.“

Neubaugebiet_Wengerohr. Foto: TV/Scheidweiler, Jonas

Dabei scheinen die ersten Gespräche zwischen der Stadt Wittlich und der Verbandsgemeinde Wittlich-Land bezüglich eines interkommunalen Gewerbegebiets noch keine Ergebnisse zu zeitigen. „Konkrete Handlungspläne hinsichtlich eines interkommunalen Gewerbegebiets gibt es zurzeit noch nicht.“

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