Gewerbetreibende leiden unter Großbaustelle

Gewerbetreibende leiden unter Großbaustelle

Zwischen Traben-Trarbach und Wolf entsteht derzeit eine neue Moselbrücke. Die Arbeiten am Pfeiler auf der Wolfer Seite sind in vollem Gange. Seit Anfang April ist die B 53 auf der Traben/Rißbacher-Seite voll gesperrt. Geschäftsleute müssen erhebliche Umsatzeinbußen in Kauf nehmen.

Traben-Trarbach. Große Erdbewegungen prägen derzeit das Landschaftsbild zwischen Wolf und Traben-Trarbach. Auf der linken Moselseite zwischen Wolfer Brücke und Traben/Rißbach wird der Hang von Baggern und Raupen bearbeitet, denn dort entsteht eine Beton-Stützwand. Die darunterliegende B 53 ist seit dem 8. April komplett gesperrt. Laut Mitteilung des Landesbetriebs Mobilität (LBM) Trier hat die Baufirma die Sperrung bis zum 18. August beantragt. Ursprünglich war vorgesehen, zunächst die B 53 bei Rißbach etwa einen Monat zu sperren, um sie dann zumindest zeitweise wieder zu öffnen. Hans-Michael Bartnick vom LBM: "Aufgrund des langen Winters und der durch Schlechtwettertage gekennzeichneten Frühlingsmonate sind die Bauphasen aufeinander aufgelaufen. Neben den verspäteten Gründungsarbeiten wurden parallel die Hangsicherungsarbeiten gestartet, so dass es im jetzigen Zustand des Baufeldes auf Rißbacher Seite nicht möglich ist, Verkehr durchzuleiten."
Für eine Reihe von Gewerbebetrieben in Rißbach bedeutet die Vollsperrung einen deutlichen Umsatzverlust.
Zum Beispiel für Edwin van Dongen, der seit sieben Jahren den dortigen Campingplatz betreibt. Der Niederländer hat den Platz nach und nach qualitativ aufgewertet. Unter anderem wurde er von der Dachmarke Mosel als Qualitätsgastgeber zertifiziert.
Doch zuerst das kalte und nasse Frühjahr und jetzt die Großbaustelle in Sichtweite des Platzes sowie die Sperrung der Bundesstraße lassen ihn sorgenvoll in die Zukunft blicken. Van Dongen: "Für uns ist das eine Katastrophe. Sicher, die Brücke muss gebaut werden, aber wir sind die Leidtragenden."
Das größte Problem sei der Lärm. Einige Gäste seien deshalb schon abgereist. Van Dongen befürchtet, dass sein Campingplatz in den Bewertungsportalen im Internet nun schlecht wegkomme, was sich auf Jahre negativ auswirken könne. Er rechnet mit Umsatzeinbußen von 30 bis 40 Prozent. Möglicherweise müsse er auch einige der zehn angestellten Mitarbeiter entlassen.
Für Harald Peifer, Weingut und Gästehaus Peifer, ist der Lärm nicht das Problem, Verluste bringe ihm vielmehr der fehlende Durchgangsverkehr. Ärgerlich sei auch, dass die Straße jetzt durchgehend gesperrt sei und sie nicht, wie zunächst vom LBM angekündigt, zumindest zeitweise einspurig befahrbar sei. Peifer: "Wir führen nun seit 2001 hier unser Weingut und seitdem wurde die B 53 zwischen Rißbach und der Wolfer Brücke bereits vier Mal für eine längere Zeit gesperrt - und das jedes Mal in der Touristensaison." Dass die Straße Mitte August wieder befahrbar sein soll, will er so recht nicht glauben. Peifer ist skeptisch: "Mal sehen, was noch kommt."
Die Sperrungen in früheren Jahren waren wegen akuter Steinschlaggefahr und der damit verbundenen Felssicherungsarbeiten notwendig. Besonders betroffen war und ist nun erneut die ED-Tankstelle in der Rißbacher Straße. Inhaber André Trebing hatte seinerzeit erhebliche Umsatzeinbußen beklagt. Diesmal will er nichts mehr sagen - nur so viel: "Die Bürger wollten die Brücke haben, jetzt kriegen sie sie halt."
Der Bürgermeister der VG Traben-Trarbach, Ulrich K. Weisgerber, hat mit dem LBM für Anfang Juli erneut einen Gesprächstermin vereinbart. Er werde darauf drängen, dass in den touristisch wichtigsten Monaten im Spätsommer und Herbst die Straße zumindest einspurig für den Verkehr freigegeben werde.

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