Glaube am Küchentisch

In der Akademie Kues stellten Schwester Lea Ackermann und Pater Fritz Köster ihr Buch "Über Gott und die Welt — Gespräche am Küchentisch" vor.

Bernkastel-Kues. Es war keine Buchvorstellung im eigentlichen Sinne. Die beiden Autoren lasen nur ein paar Sätze aus ihrem gemeinsamen Buch vor, dann luden sie die rund sechzig Zuhörer ein, an ihrem "Gespräch am Küchentisch" teilzunehmen.Das ist auch die Absicht, die hinter dem Band steckt, so Schwester Lea Ackermann, eine engagierte Ordensfrau, die das Hilfswerk "Solwodi" für Frauen in Not gegründet hat und mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wurde. "Alles, was ein Problem ist, wird am Küchentisch behandelt", so Schwester Lea Ackermann. "In dem Buch wollen wir den Glauben auf den Alltag herunterbrechen." Es behandelt einen "bunten Strauß von Alltagsproblemen."Pater Fritz Köster, Ordens priester mit zahlreichen Lehraufträgen an verschiedenen Universitäten, geht einen Schritt weiter. Er stellt die These auf, dass wir eine Religion brauchen, die wieder am Küchentisch besprochen wird. "Wir haben heute eine Experten-Religion." Die Bibel hingegen würde keine Dogmen verordnen, vielmehr fordere sie die Gläubigen auf, kritisch und offen zu sein.Pater Köster, ein humorvoller, angenehm streitbarer Mensch, erreicht mit dieser Äußerung sein Ziel: Die Zuhörer beginnen, mit ihm über dieses Thema zu diskutieren.Die Debatte darüber ist so intensiv, dass für die weiteren Kapitel des Buches am Leseabend kaum mehr Zeit bleibt. Das Thema "Kinder sind ein Rätsel von Gott" wird noch kurz angerissen, "Religiöser Tourismus oder Sehnsucht nach Spiritualität" oder "Neuzeitliches Christentum - Wohin?" bleiben unbesprochen. Wenn im Buch nur halb so viel Denkanstöße vermittelt werden wie an diesem Leseabend, dann lohnt sich die Anschaffung des im Kösel-Verlag erschienenen 191 Seiten dicken Werkes.