Glaube im Alltag

Die hessische Kultusministerin will, dass im Biologieunterricht auch über die Schöpfungsgeschichte der Bibel gesprochen wird. Das hat im hessischen Landtag zu heftiger Diskussion geführt.Gibt es einen Widerspruch zwischen Evolutionstheorie und Glaube?

Nein!Seit das Genom entschlüsselt ist, kann kein vernünftiger Mensch mehr an der Evolutionstheorie zweifeln. Alle Forschungen zeigen: Darwin hat Recht.Papst Johannes Paul II. hat 1996 die Evolutionstheorie anerkannt. Ich bin meiner Kirche dankbar, dass sie nicht noch einmal einen Galilei-Fall riskiert.Aber: Wer glaubt, dass zum Thema Schöpfung mit der Evolutionstheorie alles gesagt sei, der irrt. Die Evolutionstheorie erklärt, wie sich die Arten in der Natur entwickelt haben.Aber sie gibt keine Antwort auf die Frage nach Ursprung, Sinn und Ziel des Seins. Sie kann den Urknall nicht erklären: Wieso ist plötzlich aus dem Nichts etwas entstanden? Sie kann die "Naturkonstanten" nicht erklären: das Werdeprogramm, das sofort da war. Da bleibt die Frage nach dem großen Werdewillen, dem Schöpfer, die die klügsten Naturwissenschaftler immer gesehen haben: Newton, Einstein, Heisenberg und auch Darwin.Die Bibel ist kein Wissenschaftsbericht, den man wörtlich nehmen kann. Die Bibel gibt ein Bild von der Größe jenes Geschehens, das wir Schöpfung nennen. Beide ergänzen sich wunderbar.Mein im Jahre 2005 verstorbener Freund, der Wiener Evolutionsforscher Rupert Riedl, hat immer dafür plädiert, endlich "die Spaltung des Weltbildes" aufzuheben. Schüler brauchen beides: das Wissen über das Wie und die Achtung vor dem großen Geschehen, das wir Schöpfung nennen. Da gibt es das wunderbare Goethe-Wort: "Das schönste Glück des denkenden Menschen ist, das Erforschliche erforscht zu haben und das Unerforschliche ruhig zu verehren." Die Bibel und die Biologie