Glaube im Alltag

Mit einer kleinen Pilgergruppe war ich vor kurzem auf dem Berg Athos. Vier Tage dürfen Nicht-Orthodoxe die Mönchsrepublik auf der Halbinsel Chalkidike/ Griechenland besuchen.

In 20 Klöstern und vielen einzelnen Zellen leben wieder 3000 Mönche. Die zum Teil riesigen Klöster, die wie Nester an den Abhängen des Gebirgsmassivs hängen, boten einst 20 000 Mönchen Platz. Nur mit dem Schiff gelangt man zu den Klöstern. Man begibt sich in eine widersprüchliche Welt, die wie ein Relikt des byzantinischen Reiches wirkt und für viele orthodoxe Christen einer der heiligsten Orte ist. Für uns war manches befremdlich. So durften wir in einem Kloster während der Liturgie nicht in die eigentliche Kirche. Immer noch ist Frauen der Zugang zum Athos verwehrt. Positiv ist die Gastfreundschaft. In jedem Kloster wurden wir mit einem Schnaps, Wasser und einer Süßigkeit empfangen. Das Essen mit den Mönchen ist ein besonderes Erlebnis. Die Gesänge, die wunderbaren Ikonen, die Ruhe und Gelassenheit übertragen sich auf die Pilger. Beglückend war das Gemeinschaftserlebnis. Die liebevolle Achtsamkeit meines Sohnes und Schwiegersohnes, die mich bei den alpinen Wanderungen vor Höhenangst bewahrten und mich so die faszinierende Landschaft genießen ließ, bleibt mir dankbar in Erinnerung. Bewusst geworden ist mir, dass wir die Ökumene meist nur im Blick auf die katholische und die reformatorischen Kirchen sehen und den Reichtum der Kirchen des Ostens vernachlässigen. Auch den eigenen Reichtum konnte ich im Fremden wieder schärfer wahrnehmen. So entspricht meinem Glaubensbewusstsein die aktive Teilnahme aller Gläubigen am Gottesdienst mehr als die eher passive in der Ostkirche. Das Verständnis dieser Kirchen verweist uns darauf, dass Liturgie ein Dienst an Gott ist und es nicht zuerst um unsere Empfindungen geht. Die Begegnung mit dem Berg Athos wirkt nach, vielfältig. Wolfram Viertelhaus, Wittlich, ist Lehrer im Ruhestand.