Glaube im Alltag

Fußballbegeisterte haben auf diese Tage lange hin gefiebert. Selbst Kollegen oder Freunde, die sich beim Austausch über die aktuelle Bundesligatabelle eher gelangweilt zeigen, überkommt beim Beginn der Fußball-Europameisterschaft eine gewisse Begeisterung.

Was mag dahinter stecken? Was spricht uns da an? Internationale Wettkämpfe bringen verschiedene Kulturen und Nationen zusammen und halten die Erinnerung wach, dass es bei allen Unterschieden so viel Gemeinsames und Verbindendes gibt. Die Botschaft von Respekt und Toleranz hat die Kraft, das globale Miteinander zu verändern und ist zutiefst im christlichen Menschenbild verwurzelt. So ist auch ermutigend, dass es in Deutschland aktuell selbst populistischen Politikern keinen Zuspruch mehr einbringt, wenn sie sich ausgrenzend und rassistisch über Nationalspieler äußern, die nicht in ihr kleines, angsterfülltes Weltbild passen. Doch bei aller Begeisterung für ein solches Großereignis und bei aller Hoffnung auf den friedvollen und verbindenden Charakter dieses Turniers tragen viele Fans in diesen Tagen auch ein Gefühl von Unbehagen mit sich. Die schrecklichen Terror-Anschläge des letzten Jahres sind noch im Bewusstsein. Es wurde deutlich, dass hinter Verletzlichkeit der genannten Werte mehr steht, als eine abstrakte Gefahr. Aber: Wir können diesem Unbehagen aktiv etwas entgegensetzen. Wir können unsere Werte konstruktiv im Großen wie im Kleinen leben. Wir können mit Freude und Begeisterung dieses Fußballfest feiern. Wir können Toleranz üben, wenn die Party der Nachbarn mal etwas länger dauert. Wir müssen nicht mitmachen beim Reden über den neuen Kollegen oder die neue Kollegin. Flüchtlingspate werden ist auch eine Möglichkeit. Phantasie und Achtsamkeit sind gefragt. So kann das Kleine auch das Große beflügeln. "Le Rendez-Vous" lautet das Motto der Europameisterschaft. Möge das Turnier zu einem Treffen der Freude und der Verständigung werden und uns motivieren, diese Werte in unserem Alltag aktiv zu leben. Sandro Frank ist Pastoralreferent im Dekanat Wittlich und Referent an der Diözesanstelle "geistlich leben" in Trier.