Glaube im Alltag

"Mensch ist Mensch - überall" - so lautet das Motto einer beeindruckenden Ausstellung in Hermeskeil, die ich am vergangenen Sonntag besucht habe. Die Königsskulpturen des Diakons und Bildhauers Ralf Knoblauch, die dort zu sehen sind, erzählen auf ebenso schlichte wie eindrückliche Weise von der Würde des Menschen.

Sie wollen daran erinnern, dass jedem Menschen von Gott eine unverlierbare Würde geschenkt ist. Größe und Würde eines Menschen - auch das machen die ausgestellten Skulpturen deutlich - zeigen sich oft nur im Verborgenen. Bisher kannte ich Ralf Knoblauchs Könige nur aus dem Internet. Schon dort hatten sie mich angesprochen und berührt. Nun bin ich ihnen real begegnet, konnte sie berühren und dabei ihre Unebenheiten, Schrunden und Risse spüren. Hautnah konnte ich dabei die Botschaft dieser Könige im wahrsten Sinn des Wortes erfassen und be-greifen: wir alle sind königliche Menschen - mit unserer Verletzlichkeit, unseren Wunden und Narben - und sollen königliche Menschen werden - Menschen, die füreinander da sind und einander brauchen. Noch eine weitere Botschaft haben die kleinen Könige mir vermittelt: Um unseren Glauben im Alltag zu leben, braucht es weder große Worte noch außergewöhnliche Taten, sondern vielmehr eine bestimmte, königliche Haltung. Eine Haltung, die aus dem Bewusstsein erwächst, dass wir selbst wie auch jeder andere Mensch von Gott bedingungslos geliebt und als sein Ebenbild geschaffen sind. Wer sich der eigenen Würde bewusst ist und diese Würde auch lebt und gleichzeitig die Würde jedes Anderen achtet, hilft mit, unsere Welt menschlicher zu machen. Es lohnt sich also, sich das Motto der Ausstellung zum Lebensmotto zu machen: "Mensch ist Mensch - überall." Hannelore Bares ist freie Autorin und Seelsorgerin.