GLAUBE IM ALLTAG
Meinung Reifende Felder Wenn man zurzeit durch die reifenden Felder wandert oder radelt, sieht man schon manche Stellen, wo das Getreide nicht so ganz gewachsen ist wie es sollte. Das Frühjahr war trocken, und die Bauern können nicht überall auf eine gute Ernte hoffen.
Macht uns das Sorgen, wenn wir nicht gerade Bauern sind? Haben wir Angst, wir müssten im Winter hungern? Sicher nicht. Denn trotz solcher Ausfälle sind wir mit Nahrung reichlich versorgt. Und vielen wird es sogar so gehen, dass sie gar keinen Zusammenhang mehr sehen zwischen den hier im Land geernteten Getreiden, Gemüsen oder Obstsorten und unserer immer reichlichen Versorgung aus dem Supermarkt. Wir können uns auf dem globalen Markt immer gut bedienen. In anderen Ländern und anderen Zeiten war und ist dies anders. Da konnte und kann eine Missernte sehr schnell bedrohlich werden und zu einer Hungersnot führen. Ab und zu spüren auch wir, dass nicht alles im Gleichgewicht ist: dann, wenn plötzlich Keime zu ungeahnten Krankheiten führen. Oder wenn das Land durch eine Katastrophe wie die in Fukushima plötzlich verseucht ist. Schon Paulus spricht in seinem Brief an die Römer über das "Seufzen der Schöpfung", die nicht in Ordnung ist, nicht so, wie sie von Gott gewollt ist. Er sieht dabei einen Zusammenhang mit der Schuld des Menschen am Anfang der Welt. Auch wenn wir nicht mehr naiv einen "Sündenfall" durch das Essen eines verbotenen Apfels im Paradies annehmen, so ist uns doch heute klarer als vielleicht in den alten Zeiten, dass ein Zusammenhang zwischen dem Handeln der Menschen und dem Zustand der Natur vorhanden ist. Wenn wir deshalb jetzt durch die reifenden Felder wandern oder unseren Garten genießen, dann stellt sich Bewunderung ein für die Vielfalt der Natur und Dankbarkeit für alles, was uns gegeben ist. Aber auch das Gefühl der Verantwortung: Nicht alles, aber vieles hängt von unserem Verhalten, von unserem Einkauf, von unserem Lebensstil ab. Nutzen wir unsere Möglichkeiten, dann werden auch unsere Nachkommen noch durch reifende Felder gehen können. Dr. Marianne Bühler ist freie Theologin in Wittlich.