Glaube im Alltag

Mehr als 70 Menschen starben, Touristen in Tunesien, Schiiten in Kuwait. Blutige Anschläge auf Menschen, Anschläge aber auch auf die Wahrheit und die Freiheit.

Wieder ist es die Religion, ist es Gott, in dessen Namen Menschenblut vergossen und Menschengeist verraten wird. Welcher Gott aber soll das sein? Diesen finde ich nicht im Koran, nicht in der Tora, nicht im Neuen Testament. Doch es ist nicht zu leugnen, Religion und Gewalt bilden oft einen mörderischen Bund. Warum? Gewalt keimt oft dort, wo Menschen Freiheit und Wahrheit nicht ertragen. In einem Urteil des Supreme Court, des Obersten Gerichtshofes der USA, werden nun alle Bundesstaaten verpflichtet, Homosexuellen die gleichen Eherechte zu gewähren. Dieses epochale juristische Urteil basiert auf der Liebe zwischen Menschen: Die Wahrheit der Liebe ist nicht an die Norm der Tradition gebunden und nur in absolut freier Entscheidung der Liebenden möglich. Es gibt Menschen, die halten weder diese Wahrheit, noch diese Freiheit aus. Am lautesten protestieren einige Christen, aus den evangelischen Kirchen genauso wie aus der römisch-katholischen Kirche. Ihr Argument: Das ist gegen Gott! Diesen ihren Gott richten sie wie ein Schwert gegen dieses Urteil und gegen alle, die dafür gekämpft haben. Noch ist es Gewalt in Worten, doch es ist Gewalt. Doch welcher Gott, bitte, soll das sein, der hier benutzt wird? Jesus bindet Freiheit und Wahrheit an sich selbst und stellt damit beides in den Dienst des Lebens und der Liebe. Wie schnell wird Gott zur Rechtfertigung der Gewalt missbraucht, doch wie weit sind solche Argumente von Gott entfernt, im Christentum, im Judentum, im Islam. Jörg-Walter Henrich ist evangelischer Pfarrer in Traben-Trarbach.

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