Glaube im Alltag

Der jüngste amerikanische Präsidentschaftswahlkampf hat wieder einmal den Eindruck erweckt, dass es eine Person allein sei, die ein ganzes Land regiert und die Menschen rettet in allen Problemlagen von sozialer Ungleichheit, hoher Arbeitslosigkeit, prekärer Gesundheitsversorgung, Klimaschutz, in kulturellem und religiösem Zusammenleben, in Außenhandel und -politik. Kann all das einer allein? Kann überhaupt der Mensch die Welt retten? Atheistische Humanisten sind davon überzeugt, dass der Mensch, der die Menschenrechte formulieren kann, auch ihre Umsetzung erreicht, solange er nicht religiös fanatisiert sei.

Atheisten, die die Welt retten? Auch wenn Hitler sich immer wieder der religiösen Sprache bediente, war er doch ein Atheist und hat die Welt in den Zweiten Weltkrieg gestürzt. Naturwissenschaftler sagen, der vernunftbegabte Mensch brauche nur genügend Zeit, um die Welt erklären zu können. Der 2014 verstorbene atheistische Quantenphysiker Hans-Peter Dürr kam zu dem Schluss, dass die Welt sich ständig erneuere und viel zu komplex sei, um jemals vom Menschen und seiner empirischen Forschung verstanden zu werden. Was die Welt im Innersten zusammenhalte, sei Wirkung, Beziehung, Lebendigkeit, Liebe - hier könnten Naturwissenschaft und Theologie miteinander ins Gespräch kommen. Die christliche Religion gibt eine erstaunliche Antwort: Mit dem ersten Advent erwarten die Christen die Ankunft eines Kindes als Retter der Welt - keine Rede von Vernunft, von den Erkenntnissen der Naturwissenschaft, von einem "starken Mann". Nein, ein Kind: hilflos, hungrig und durstig, auf Hilfe vieler Menschen angewiesen - ein Kind als Retter der Welt! - ein Wunder des Lebens - Gefühle der Zärtlichkeit und Liebe erzeugend - auf Liebe ausgerichtet und angewiesen! Was für eine Botschaft, die Gott da in die Welt sendet: Es braucht Liebe unter den Menschen - das rettet die Welt. Christiane Friedrich ist Pastoralreferentin für Erwachsenenbildung im Dekanat Wittlich.