GLAUBE IM ALLTAG

"Das ist Wahnsinn: Du hörst nur noch deinen Atem. Nur Stille um dich.

Du spürst, wie dein Blut durch deine Adern rauscht." Wenn Werner vom Tauchen spricht, dann sprudelt es nur so aus ihm heraus. "Wenn ich im Wasser bin, dann bin ich in meinem Element. Und in meinem Element wird alles viel leichter, es geht wie von selbst, wie schwerelos." Unwillkürlich frage ich mich: Wann bin ich eigentlich in meinem Element, ganz bei mir? "Das ist wie im Leben", ergänzt sein Taucherkollege Wolfram. "Um in die Tiefe zu gehen, musst Du den Sprung wagen, die Oberfläche durchbrechen, Oberflächliches hinter dir lassen. Dieser Sprung, dieses Wagnis lohnt sich. Denn wenn du gesprungen bist, fällt alles Schwere von dir ab, lässt du alles Belastende hinter dir." Hin und wieder mal den Absprung schaffen, denke ich, wäre schon toll. "Unter Wasser brauchst du nur ganz wenig." Werner hat sich in Fahrt geredet. "Du brauchst eigentlich nur Sauerstoff und einen Menschen, auf den du dich verlassen kannst, ohne Worte. Wenn ich in Panik gerate, mein Tauchpartner mir die Hand auf die Schulter legt, werde ich wieder ruhig, weil er mir signalisiert: Ruhig, Brauner, kein Grund zur Aufregung." Und ich frage mich: Mit wem könnte ich mir das vorstellen, mutterseelenallein unter Wasser, "nur" mit Luft und Vertrauen? Für wen bin ich eigentlich so ein Tauchpartner, einer, auf den man sich verlassen kann? Die beiden Taucher stellen mir Fragen, für die ich Zeit brauche: Wage ich schon mal den Absprung, ab durch die Oberfläche? Bin ich noch in meinem Element, meinem Ding, meiner Berufung auf der Spur? Und wer sind die, wo Vertrauen und Verantwortung füreinander spürbar wird in meinem Leben? Ja, vielleicht sollte ich mal "abtauchen". Dafür muss ich nicht die schwere Taucherkluft anlegen. Aber ich brauche schon den Mut, den Absprung zu schaffen, eine Stunde, einen halben Tag oder im Urlaub, in den Ferien. Pastoralreferent Armin Surkus-Anzenhofer, Bausendorf, Dekanat Wittlich und Kirche der Jugend Marienburg