Glaube im Alltag

"Hier in Australien wird heute mein Buch ,Zuhause kann überall sein’ in sämtlichen Primarschulen zu gleicher Zeit gelesen!" Ich freue mich über die Mail. Und ich freue mich mit der Autorin Irena Kobald.

Aber was hat ihre Geschichte zum Bestseller und zur Pflichtlektüre gemacht? Die Geschichte ist schnell erzählt: Das kleine Mädchen Wildfang musste sein Zuhause verlassen und vor dem Krieg in ein fremdes Land fliehen. Alles dort scheint kalt, abweisend und beängstigend fremd. Wildfang möchte sich nur noch in ihre geliebte Decke wickeln, gewebt aus Erinnerungen und Gedanken an zu Hause. Doch sie trifft im Park ein Mädchen, das ihr nach und nach die fremde Sprache beibringt und mit ihr lacht. Und so beginnt Wildfang, wieder eine Decke zu weben aus Freundschaft, neuen Worten und neuen Erinnerungen, die sie wärmt und in der sie sich zu Hause fühlt. Unwillkürlich stelle ich mir vor, das Mädchen wäre meine Jüngste: Die Strapazen der Flucht, ohne Freunde, weinend nach ihrer geliebte Kuschelmaus, versteht kein Wort, wird komisch gemustert, nur eine Decke aus Erinnerungen. Mein Magen zieht sich zusammen. Ich spüre, wie es den Flüchtlingen bei uns gehen mag. Ob ihnen Menschen begegnen, die ihnen neue Worte, gute Erfahrungen schenken, die sie wie eine wärmende Decke über sich legen können? Die Geschichte hat uns von der Kirche der Jugend Marienburg überzeugt: Irena Kobald kommt aus Australien zu Autorenlesungen zu uns. Auf der Marienburg etwa liest sie am 24. September um 9 Uhr und am 25. September um 11.30 Uhr, in der Kröver Kirche am 25. September um 17 Uhr, begleitet vom Chorprojekt "beziehungsWeise". Das Gute an der Geschichte ist: Ich als Leser spüre die Angst der kleinen Wildfang vor den fremden Menschen, mir wird kalt vor Einsamkeit, ich freue mich über jedes wärmende Wort. Bei der ganzen Flüchtlingsdiskussion sollte es darum gehen: Wie wollte ich, dass mit mir umgegangen wird, mit mir und mit meinen Kindern im fremden Land und auf der Flucht? Pastoralreferent Armin Surkus-Anzenhofer, Bausendorf, Kirche der Jugend Marienburg und Dekanat Wittlich.