Glaube im Alltag

Die Europäische Bürgerinitiative "Stop TTIP" hat 1,5 Millionen Unterschriften gesammelt, Zehntausende protestierten gegen das bevorstehende weltweit größte Freihandelsabkommen von USA und EU. Um was geht es? Die Verhandlungen führen überwiegend Berater, die Konzerninteressen vertreten, hinter verschlossenen Türen.

Das demokratische Grundrecht der Pressefreiheit missachtend werden Bürgern Informationen vorenthalten. Einige Beispiele: In den USA haben sich Hormonfleisch, Klonrinder, Chlorhühnchen, Genmais durchgesetzt, in der EU ist all dies noch verboten. Fracking wurde in den USA ausgeweitet. Das eingesetzte Chemikaliengemisch verseucht Trinkwasser und Boden. Die versprochenen billigen Gasexporte der TTIP rechnen Umweltschäden nicht ein. Umweltverbände weltweit lehnen Fracking ab. In den USA gibt es kaum einklagbare Schutzrechte für Arbeitnehmer, keine Betriebsräte, kein Recht von Gewerkschaften, Tarifverhandlungen zu führen. Die hart erkämpften Arbeitnehmerrechte hierzulande wären durch die neu konkurrierenden Märkte direkt bedroht. Gefährlich für Staat und Bürger sind die durch TTIP ermöglichten Investor-Staats-Klagen. Beeinträchtigen Gesetze eines Staates die Gewinne eines Konzerns, kann er den Staat auf Schadensersatz wegen "Handelshemmnis" verklagen vor einem Schiedsgericht. Der Steuerzahler zahlt. Im Freihandelsabkommen USA, Kanada, Mexiko verklagt ein Konzern derzeit Kanada auf 250 Millionen US-Dollar, weil es Fracking ablehnt. Im Lukas-Evangelium fordert Jesus die Menschen auf, die Zeichen der Zeit zu deuten, um das rechte Urteil zu finden: "Sobald ihr im Westen Wolken aufsteigen seht, sagt ihr: Es gibt Regen. Und es kommt so. Und wenn der Südwind weht, dann sagt ihr: Es wird heiß. Und es trifft ein. Ihr Heuchler! Das Aussehen der Erde und des Himmels könnt ihr deuten. Warum könnt ihr die Zeichen dieser Zeit nicht deuten? Warum findet ihr nicht von selbst das rechte Urteil?" Noch können wir handeln. Christiane Friedrich ist Pastoralreferentin für Erwachsenenbildung im Dekanat Wittlich.