GLAUBE IM ALLTAG

Meinung Mauern überspringen Im Psalm 18 lese ich: "Mit meinem Gott überspringe ich Mauern". Dieser Satz erinnert mich an meine Kindheit, in der wir als Kinder gerne auf Mäuerchen kletterten.

Auf ihnen zu stehen gab uns das Gefühl von "Hoch hinaus und frei sein wollen". Es war schön, die Welt von "oben herab" anzuschauen und zu bewundern. Mauern machen aber auch neugierig. Was oder wer verbirgt sich wohl dahinter? Mauern schützen die Privatsphäre und grenzen ab. Sie dienen dazu, Menschen dahinter wegzusperren und sie unfrei zu machen, so wie es die Berliner Mauer, die vor 50 Jahren gebaut wurde, zeigte. Über Nacht wurden Familienangehörige und Freunde in Ost- und Westberlin getrennt und im wahrsten Sinne des Wortes ihrer Freiheit beraubt. Viele Menschen versuchten aus der ehemaligen DDR zu flüchten. Für mindestens 136 Flüchtlinge bedeutete das den Tod. Fast 28 Jahre lang litten die Menschen unter dieser unmenschlichen Mauer, bis sie im November 1989 dem Freiheitsdrang der Menschen nicht mehr standhielt und zur Partymeile wurde. Bundespräsident Wulff erinnerte beim Mauer-Gedenken im August auch an diesen Mauerfall mit den Worten: "Einmal mehr hat sich gezeigt: Am Ende ist die Freiheit unbesiegbar." Das Bild der feiernden Menschen auf der Berliner Mauer von 1989 hat sich mir eingeprägt. Es zeigt mir, dass Freiheit ein hohes Gut der Menschheit ist. "Mit meinem Gott überspringe ich Mauern": Nicht umsonst beteten die Menschen in der DDR trotz Verbots und Widerstands und glaubten an einen Gott, der die Freiheit liebt. Nicht umsonst feiern wir jedes Jahr aufs Neue den Tag der Deutschen Einheit, um uns an die von IHM (Gott) geschenkte Freiheit zu erinnern. Und nicht umsonst begehen wir den Tag der offenen Moscheen am 3. Oktober, um damit ein Zeichen zu setzen, dass Muslime auch zur Einheit Deutschlands gehören. Monika Hartmann ist Pastoralreferentin im Dekanat Wittlich