Glaube im Alltag
Wie unlogisch! Na? Da widerspricht oder besser: Da korrigiert mich einer, Jesus nämlich. Erst sagt er, er sei nur zu den Schafen des Hauses Israel gesandt und lässt die kananäische Frau abblitzen, und dann heilt er sie doch.
Sie schreit hinter Jesus her aus der Not ihres Leidens, und dann zwingt sie ihn zu einer Kurskorrektur. "Auch die Hunde bekommen von den Brot resten zu essen, die von den Herren unter den Tisch geworfen werden. Meinst Du nicht auch", scheint sie zu ergänzen. Und Jesus kapituliert vor ihrer Schläue, besser: vor ihrem felsenfesten Glauben und Zutrauen. Er weiß es jetzt: "Ich bin für alle da ohne Einschränkung und Ausnahme." Wie toll, denke ich, dass wir nicht glauben müssen, Jesus verfolge konsequent seinen unabänderlichen Kurs und ändere sich nicht. Wir sind zu sehr mit unseren logischen Begriffen und Denkweisen und Instruktionen verhaftet. Auch unsere theologischen Begrifflichkeiten sind einfach zu statisch, zu beschränkt und kleinkariert. Glaube ist keine Apparatur oder ausgeklügelte Struktur, vielmehr ein Weg, um lieben zu lernen. "Dein Glaube ist groß", sagt Jesus. Ihm trauen lernen, uns von ihm locken, anrühren, mitnehmen lassen, mit ihm ein Gespräch versuchen und abends uns erinnern: Wo hat er heute mit mir gesprochen? Da hat mir eine Nachbarin, ein Kollege ein gutes Wort gesagt, ein Anruf hat mich fröhlich gestimmt ... und ich selbst darf mal richtig inkonsequent, unlogisch lieben und trauen lernen: diesem Jesus und vielleicht meinem Nachbarn. Pater Stephan Reimund Senge ist Gästebetreuer in Himmerod.