glaube im alltag

In den letzten Tagen habe ich die ständige Widersprüchlichkeit des Lebens sehr konkret erlebt. Ereignisse, die sich zeitlich überlagert haben, ließen mich die Gegensätzlichkeit in meiner Existenz unmittelbar spüren.

Da war ein wunderbares Familienfest mit vielen herzlichen Begegnungen. Auf der anderen Seite die Beerdigung einer Freundin, die all zu früh verstorben ist. Da war das Erleben der Natur mit der ganzen Familie - und daneben die Berichte von Krieg, Terror, Katastrophen, Ungerechtigkeiten.... Darf ich mich angesichts dieser Bilder an meinem individuellen Glück erfreuen? Darf ich mein Gesichertsein genießen angesichts der Schicksale, die mir die Medien täglich vor Augen führen? Offensichtlich ist unser psychisches Kostüm so gestrickt, dass wir im Normalfall diese Widersprüchlichkeiten verkraften. Einzelne Menschen zerbrechen allerdings daran, verlieren ihren Glauben an einen guten Gott, werden krank. Das kann bis zum Suizid führen, wie ich es auch schon miterleben musste. Über diese Widersprüchlichkeit des Lebens haben unzählige Philosophen, Theologen und andere schlaue Menschen nachgedacht. Helfen mir deren kluge Erklärungen in der konkreten Situation, wo ich existentiell an diesen Gegensätzen leide? Und: Mein Glaube - ist der dann eine Stütze? Vorsicht, nicht erst Karl Marx hat darauf hingewiesen, dass Religion Opium sein kann. Der Gott, an den ich glaube, ist kein ferner, unnahbarer Gott. Der in Jesus von Nazareth Mensch gewordene Gott hat genau diese Widersprüchlichkeit gelebt. An ihm kann ich erkennen, wie das Leben glücken kann, ohne den dunklen Seiten auszuweichen. Jesus hat eine frohe Botschaft gelebt und verkündet. Er konnte das Leben genießen und hat Menschen wieder lebensfroh gemacht. Im Blick auf Jesus kann ich Hoffnung und Kraft schöpfen, die Voraussetzung eines Engagements für eine bessere Welt sein können und sollen. Dafür habe ich viele Vorbilder in der Vergangenheit und Gegenwart. Wolfram Viertelhaus, Förderverein Autobahnkirche St. Paul, Wittlich