Glaube im ALLTAG

Erinnern Sie sich noch, wie sich auf Einladung von Papst Franziskus sich am 8. Juni Palästinenserpräsident Mahmud Abbas und Israels Staatschef Schimon Peres zu einem Friedensgebet trafen, einer hoffnungsvollen Geste? Der Krieg hat all diese Hoffnungen zerstört. War dieses Bemühen zu naiv? Mich hat diese hoffnungsvolle Begebenheit an den heiligen Franziskus erinnert, der in der konfliktgeladenen Gesellschaft des Mittelalters mit dem Gruß "Pace e bene - Frieden und alles Gute" unterwegs war, und dem es tatsächlich mehrfach gelungen ist, Frieden zu stiften.

Es mag mit seiner persönlichen Einstellung zusammenhängen, dass es gelang, denn seine gelebte Armut vermittelte auch ohne Worte, dass sein Gruß "Frieden und alles Gute" nicht Forderung, sondern Zuspruch war: Ich lebe arm, bin zufrieden mit einer einzigen armseligen Kutte, schenke dir alles, damit du die Erfahrung des Friedens machen kannst, dass alles Gute dir zukommt. Eines Tages, so erzählt die Vita des Franziskus, ist in seiner Heimatstadt der Friede gefährdet. Bischof und Bürgermeister haben sich zutiefst verfeindet, und Franziskus dichtet seinem Sonnengesang eine neue Strophe hinzu. "Gepriesen seist du, mein Herr, um derentwillen, die verzeihen aus Liebe zu dir und Schwachheit ertragen und Trübsal. Selig, die dulden in Frieden, denn du, o Höchster, wirst sie einst krönen." Er schickt zwei seiner Brüder, die dieses Lied in der Versammlung der Stadt singen sollen. Es wird uns überliefert, dass ehrfurchtsvolle Stille wie in einer Kirche eingetreten sei, als die beiden das Friedenslied sangen. Mit nichts in den Händen, ganz arm, nur ein Lied - keiner wurde zu irgendwas gezwungen, keiner übervorteilt -, das waren Friedensverhandlungen! Der Friede war gerettet. Wie würden heute Friedensbemühungen laufen, wenn der gegenüber genau das empfinden könnte? Der andere verzichtet, und mir wird das Gute zugesprochen. Da wählt einer die Armut, damit es mir gut geht. Zu naiv? Johannes Jaax ist Dechant im Dekanat Wittlich.