GLAUBE IM ALLTAG

Meinung Ein Wassertropfen "Ich bin ein Wassertropfen!" - Das war der Text, den mein kleiner Enkel bei einem Spiel im Gottesdienst seiner Kinderkrippe zu sprechen hatte. Dabei sollte den Kindern die Bedeutung des Wassers für das Leben von Pflanzen, Tieren und Menschen deutlich gemacht werden.

Obwohl wir Erwachsenen besser als jedes Kind um die Bedeutung des Wassers wissen (sollten), arbeiten leider trotzdem nicht alle Menschen dafür, dass das vorhandene Wasser dem Leben von Pflanzen, Tieren und Menschen dient, sondern benutzen es als Instrument von Macht, Politik und Profit. In diesem Frühjahr haben wir ja wieder einmal drastisch erlebt, wie es ist, wenn das Wasser ausbleibt. Auch im übertragenen, bildlichen Sinn kennen wir das Ausbleiben von Wasser, die Trockenheit, sogar die Wüste in unserem Innern, total oder zeitweilig oder stellenweise. Vielfältig sind die möglichen Ursachen: Krankheit, Einsamkeit, Armut, Erfolglosigkeit, Depression, Gefühle von Minderwertigkeit und Sinnlosigkeit, begründete und unbegründete Ängste, Leiden an Ungerechtigkeit und Friedlosigkeit und viele mehr. Entsprechend viele Arten von - bildlich gesprochen -- Wasser gibt es, um der Trockenheit, der Wüste im Alltag entgegenzuwirken: politisch-soziales Engagement, finanzielle Hilfe, einfaches da sein, Gespräch, Zuspruch, Trost und so weiter. Niemand von uns ist ein Wasserfall. Manches, was wir tun können, mag wie der Tropfen auf den heißen Stein wirken, aber manchmal ist vielleicht auch schon ein einzelner Wassertropfen der - wie es in einem Lied heißt - "Anfang eines Regens" - "der Anfang neuen Lebens". Und so ein Wassertropfen kann jeder sein, unabhängig von Alter, Geschlecht, Religion ... Die Christen glauben, dass Gott ihnen unter dem Zeichen des Wassers in der Taufe von seinem Leben geschenkt hat. Wie beglückend müsste es für sie, aber nicht nur für sie sein, auf einen anderen zuzugehen und zu sagen (oder zu denken): "Ich bin ein Wassertropfen." Karl-Heinz Musseleck ist Oberstudiendirektor i.R.