Glaube im Alltag

"Geh aus, mein Herz, und suche Freud in dieser lieben Sommerzeit an deines Gottes Gaben; schau an der schönen Gärten Zier und siehe, wie sie mir und dir sich ausgeschmükket haben". Wahrscheinlich kennen Sie dieses wunderschöne Sommer-Kirchenlied (Evangelisches Gesangbuch, Nr.

503). Paul Gerhardt erzählt darin in herrlichen Bildern vom Sommer, der schönen Gärten Zier, von Narzissus und Tulipan, der Lerche, die sich in die Luft schwingt und von vielem anderen mehr. Er beschreibt den Sommer in Bildern, die traumhaft und wohl auch vertraut sind. Eine große Sommerfreude schenken die Zeilen. Hat dieser Mann einen einfältigen, kindlichen Text zur Sommerzeit geschrieben? Paul Gerhardt, geboren 1607, war Pfarrer in Brandenburg und Berlin. Er hat die Schrecken und Grausamkeiten des Dreißigjährigen Krieges erlebt und vier seiner Kinder verloren. So war er sicher kein weltfremder Träumer. Zurück zu unserer Zeit. Auch jetzt gibt es Krieg auf der Welt, und die Menschen erleiden, wie im Dreißigjährigen Krieg Verlust und Tod. Kann ein Mensch mit einem solchen Erleben solche Worte schreiben? Ich denke es war ein "Trotz-dem". Ein Widerstand gegen alles Erlebte und Gewesene aus großem Gottvertrauen heraus. Aus der Gewissheit, dass der, der dieses alles erschaffen hat, alles zu einem guten Ende führen wird. Er hat sich die Gottes-Hoffnung "trotz-dem" nicht nehmen lassen. Ich wünsche Ihnen in Ihrem Alltag die Hoffnung auf Gott und seine Begleitung. Rainer Marmann ist Synodaler der Landessynode der Evangelischen Kirche im Rheinland.

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