GLAUBE IM ALLTAG

Ein Mitarbeiter der Trucker-Mission fragte an, ob die Autobahn- und Radwegekirche St. Paul auch mit LKW angesteuert werden könne.

Dies konnte ich bejahen. In einer Neuausgabe der Trucker-Bibel sollen die Kirchen verzeichnet werden, die LKW-Parkplätze haben. Da kam mir das Gespräch mit einem russischen LKW-Fahrer in den Sinn, das wir vor ein paar Wochen hatten. Er erzählte von seinen Lebensumständen: Lange Phasen der Abwesenheit von zu Hause, Fahrten meist in Doppelschicht - eine mit und eine ohne Tachoscheibe -, Probleme beim Finden eines Ruheplatzes, ständige Zeitnot, geringe Bezahlung... Mir wurde bewusst, dass wir uns eine Sklaventruppe halten, um just in Time alle möglichen Waren von A nach B zu transportieren - Waren, die uns laut Werbung zu unserem Glück fehlen und die zum überwiegenden Teil bald das Müllproblem vergrößern. Ungeliebt sind diese Trucker, da sie mit ihren Lastern die Straßen verstopfen, die Luft verpesten, sich Elefantenrennen liefern und beim ersten Frost quer stehen. Seit diesem Gespräch denke ich mit mehr Achtung an die "Kapitäne der Landstraße", wenn ich sie auf der Autobahn überhole. Auch kommt mir mancher Eintrag im Anliegenbuch der Autobahn- und Radwegekirche in den Sinn, der vermittelt, dass hinter diesen anonymen Fahrern Menschen mit realen Problemen, Träumen und Wünschen stehen. Brauchen diese Leute eine eigene Bibel? Das Evangelium dieses Sonntags beinhaltet die Seligpreisungen der Bergpredigt des Matthäus. Zu denen, die von Jesus glückselig gepriesen werden, gehören die Kleinen am Rande, die nicht im Mittelpunkt stehen, eben auch solche Trucker. Im Geiste Jesu ist eine Trucker-Bibel mindestens so wichtig wie die Neuherausgabe der Lutherbibel. Wolfram Viertelhaus, Förderverein Autobahnkirche St. Paul Wittlich