GLAUBE IM ALLTAG

Ich sehe sie bereits vor mir, die leuchtenden Kerzen auf der Geburtstagstorte. Am 31.Oktober läutet die Evangelische Kirche das Jubiläumsjahr ein, das uns mit vielen interessanten Veranstaltungen und Begegnungen hinführt zur 500-Jahrfeier der Reformation am 31. Oktober 2017. Geburtstage bieten immer wieder die Möglichkeit, über Vergangenes nachzusinnen und auf die erlebte Zeit zurückzuschauen, um sich zu erinnern: an Begegnungen mit Menschen oder Ereignisse und Erlebnisse, die einem auf dem Lebensweg widerfahren sind.

In einer ehrlichen Selbstbetrachtung kann eine Zwischenbilanz gezogen werden, und wir werden sicherlich jedes Jahr feststellen, dass nicht alles so gewesen ist, wie wir es uns vorgestellt haben - aber es ist auch vieles ganz anders gekommen, als wir es vermutet hätten. Nie konnten wir alles planen oder im Vorhinein wissen. Aber genau das macht unser Leben so spannend und abwechslungsreich. Unserer evangelischen Kirche ging es in den letzten 499 Jahren genauso und sie könnte eine Unmenge von Geschichten beitragen, die uns einerseits stolz machen, aber auch nachdenklich und betrübt stimmen. Mich interessiert besonders, wie sich der reformatorische Gedanke im Sinne von Umkehr und Neubeginn heute in den Kirchengemeinden, bei uns persönlich zeigt. Brauchen wir wieder einen Martin Luther, der beim Nachsinnen über einen biblischen Text eine weltbewegende Erkenntnis erlangt, die die ganze Gedankenwelt der Christenheit in revolutionärer Weise durcheinander bringt? Oder hat sich der Kerngedanke der Reformation so bewährt, dass wir mit ihm voller Vertrauen unseren weiteren Lebensweg gehen möchten? Meine Antwort: "Ja, er hat sich bewährt!" Und so schauen wir voller Hoffnung in die Zukunft und können Veränderungen zulassen und ausprobieren, denn die biblischen Worte im Römerbrief, die Martin Luther einst so begeisterten, haben auch in den letzten 499 Jahren nicht an Wirkkraft verloren. Luthers Erkenntnis überzeugt auch heute Menschen und führt sie zu einem Gott, dessen Liebe allen gewiss ist, auch wenn sie Fehler machen. Einem Gott, dem wir uns immer vertrauensvoll zuwenden können mit allen unseren Zweifeln, Ängsten oder Freuden und Begeisterungen. Einem Gott, der uns gewiss verzeihen wird, wenn wir vom Weg abgekommen sind und zu ihm zurückkehren möchten. Dieses Geschenk seiner Gnade dürfen wir mitnehmen in die weitere Zukunft als Kraftquelle und Hoffnungsträger und laden alle dazu ein, mit uns gemeinsam auf diesem Glaubensweg in eine friedvolle Zukunft zu gehen. Uschi Fusenig, Prädikantin