Glaube im Alltag

Alle Eltern geben ihren Kindern den schönsten Namen. Bei der Auswahl spielen viele Kriterien eine Rolle: der Klang, wie passt der Vor- zum Nachnamen, welcher ist gerade in Mode und so weiter.

Jeder Christ ist auf seinen Namen getauft, und ich feiere auch noch in Erinnerung an die Taufe und meinen Namenspatron den Namenstag. Rede ich jemanden mit Namen an, dann schaffe ich damit eine Beziehung, nehme ich sie oder ihn als Persönlichkeit, als einmaligen, einzigartigen Menschen wahr. Der Name verleiht Würde und achtet die Individualität eines jeden Menschen. "Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein", heißt es beim Propheten Jesaja. Einen Namen haben, das bedeutet einzigartig, von Gott als eine einmalige Persönlichkeit angenommen zu sein. Name bedeutet Zusage und Schutz. In schwierigen Situationen, bete ich als Stoßgebet: "Guter Gott, du hast mich gewollt, du hast mich beim Namen gerufen, nun nimm dich auch meiner an!" In den Konzentrationslagern hat man den Eingelieferten eine Nummer verpasst, die Nummer häufig sogar eingraviert und ihnen so ihre Würde genommen. Die eine Million Flüchtlinge, die im vergangenen Jahr bei uns Schutz gesucht haben, tragen jeder einzelne einen Namen, kommen mit einer je eigenen Geschichte zu uns, und gehen wie jeder mit eigenen Hoffnungen und Sehnsüchten in das Neue Jahr. Für Juden ist der Name Gottes so heilig, dass sie ihn nicht aussprechen. Sie kennen viele Namen für Gott, aber seinen Eigenname, Jahwe, halten sie so heilig, dass sie ihn nicht auszusprechen wagen, bis heute. Christen ist der Name Jesu so wichtig, dass sie an diesem Sonntag das Namen-Jesu-Fest feiern. Übersetzt heißt Jesus: Gott rettet. Mit der Gewissheit, dass ich von Gott gewollt bin, bei ihm einen Namen habe, ich mit der gleichen Würde wie alle Menschen ausgestattet bin, gehe ich zuversichtlich in das Neue Jahr. Das wünsche ich auch jedem Leser von Herzen. Wolfram Viertelhaus ist der Vorsitzende des Fördervereins Autobahnkirche St. Paul.

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