Glaube im Alltag
Klingt in dieser alten Sprachwendung "des Nachts" die undurchdringliche Dunkelheit nicht viel deutlicher durch als in dem Wörtchen "nachts", das wir meist benutzen? Es ist nur ein Wörtchen, nachts, und es macht aus der Nacht ein Nächtchen. In der Weihnachtsgeschichte geht es um die finstere, bedrohliche, unendliche Nacht.
Es ist die Nacht, wie Menschen sie vor 2000 Jahren im Alten Orient erlebten. Hirten, die den Morgen herbeisehnten und das Ende der unheimlichen Stimmen und Geräusche. Es ist die Nacht heute, im Vorderen Orient, in Syrien, in Kobane und Aleppo, in der Menschen in lähmender Angst vor Bomben und Angriffen den Tag erbitten. Es ist die Nacht, die viele Menschen durchwachen, aus der sie aufschrecken, weil die Schmerzen wieder da sind, die Sorgen, die Verletzungen, die Vorwürfe, die Unruhe des Tages, die in der Ruhe Raum findet. Das Dämmern des Morgens kann wie eine Erlösung sein. All diese Menschennächte klingen in den beiden Worten der Weihnachtsgeschichte mit, "des Nachts". Und dann geschieht es: Ein helles Leuchten durchdringt die Dunkelheit, die kraftlos in sich zusammenfällt. Die Klarheit Gottes bricht den Bann, in dem eben noch die Menschen in ihren Nachtgespenstern gefangen waren. In die vielen Fragen hinein, auf die die Nacht voller Angst schweigt, erklingt die Stimme, "fürchte dich nicht!" Eine heilige, heilende Nacht. Der ganzen Welt und Ihnen ganz persönlich, liebe Leser, wünsche ich, dass durch die Nächte Ihres Lebens das Licht der Geburt Jesu bricht. Ja, die Dunkelheit ist in der Welt, doch sie herrscht nicht mehr. Christen glauben seit jener Nacht, dass Gott ihr alle Macht genommen hat. J.W. Henrich