Glaube im Alltag : Im Hurrikan des Lebens!

Udo Lindenberg feierte kürzlich seinen 75. Geburtstag. Im Zuge dessen erschien sein neuer Song „Mittendrin“. Darin heißt es: „Ey, willkomm‘n mittendrin, schönen Gruß hier aus dem Hurrikan … Und fragst dich wohin, dann springst du von außen nach innen“.

Von Hurrikanes wissen wir, dass sie wegen ihrer zerstörerischen Wirkung gefürchtet sind. Aber während rundherum der Sturm tobt, ist es in der Mitte des Hurrikans, in seinem Auge, windstill und trocken. Die Aussage von Udo Lindenberg in seinem Songtext macht also durchaus Sinn, denn aus der ruhigen Mitte eines tosenden Sturmes lässt es sich wahrhaftig gut grüßen. Und jemand, der auf 75 Jahre seines Lebens zurückblicken kann, hat sicher häufig die Erfahrung gemacht, dass es gut ist, sich Ruhe zu gönnen und bewusst zurückzunehmen, also die eigene Mitte zu finden, wenn der Sturm des Lebens wieder einmal allzu sehr um einen herum tobt. So sinkt der Druck, den andere oder man selbst auf sich ausübt, genauso rapide ab wie der Luftdruck in einem Hurrikan vom Rand Richtung Mitte.

Beim wiederholten Hören des Liedes fiel mir ein, dass auch ein Labyrinth wie das in der Kathedrale von Chartres in Frankreich eine ruhige Mitte hat. Aber auch in diese Mitte gelangt man nur, wenn man sich von außen nach innen auf den Weg macht. In Chartres ist das ein 261,50 Meter langer Weg. Wenn man diesen bewusst geht, können die Last des Alltags und die Turbulenzen des Lebens Schritt für Schritt von einem abfallen. Denn ein Labyrinth ist kein Irrgarten. Es hat einen einzigen, in vielen Windungen verlaufenden Weg, der auf möglichst langer Strecke von außen zur Mitte, vom Start zum Ziel und damit zur ruhenden Mitte in sich selbst führt.

Meine absoluten Lieblingszeilen in Lindenbergs Lied sind allerdings: „Selbst in den heißesten Flammen das Fünkchen Hoffnung noch suchen. Denn selbst diе dunkelste Stunde hat nur sеchzig Minuten“ – ermutigende Worte im Hurrikan des Lebens!