Glauben im Alltag

Als Start ins Heilige Jahr hat Papst Franziskus in dieser Woche eine Heilige Pforte in Rom geöffnet. Die geöffnete Tür ist ein starkes Symbol, steht sie hier doch für die Bereitschaft von Kirche und Welt, sich noch einmal neu für Gott und seine Frohe Botschaft zu öffnen.

Sandro Frank

Foto: (m_kreis )

Der Anklang an das II. Vatikanische Konzil, das vor genau 50 Jahren endete, ist dabei kaum zu überhören. So erinnert der Papst an jene Tür, die das Konzil weit aufgestoßen hat und seither eine wirkliche Begegnung der Kirche mit den Menschen der Zeit ermöglicht. Bis heute werden aber auch die Stimmen jener laut, denen es seitdem zu viel zieht und denen der frische Wind zu unbequem ist. Gott aber geht es eben darum, er rüttelt uns wach und ruft uns heraus aus starren Gewohnheiten. Wie sehr mich das Bild der Tür anspricht, merke ich beim Blick auf die verschlossenen Türen im eigenen Leben. Spontan denke ich an den verlorenen Autoschlüssel nach einem Sommertag am Maar und die weitreichenden Folgen des Missgeschicks. Wie viel mehr noch bewegt mich der Blick auf die Beziehungen in meinem Leben, gerade wenn sich Türen immer weiter zu verschließen scheinen. Und natürlich spüre ich in diesen Wochen eine besondere Verbundenheit zu den Menschen, die auf der Suche sind, nach einer offenen Tür. Nicht selten enden eigene Lebenspläne plötzlich, sei es durch äußere Ereignisse oder durch eigene Ängste oder Grenzen. Genau in dieser Situation hören wir den Ruf "Machet die Tore weit". Gerade hier fordert der Advent heraus genauer Hinzuhören: Wo klopft Gott an die Tür meines Lebens? Wo lockt er mich aus scheinbaren Sicherheiten heraus? Wo bin ich gefordert, Neues zuzulassen und die Türen meines Hauses und Herzens zu öffnen? Wie leise der Ruf Gottes daherkommt, können wir beim Blick in die Krippe erahnen. Als hilfloses und ohnmächtiges Kind sucht er die Beziehung zu uns. Im Stall von Bethlehem gibt es keine prachtvolle Pforte, der Wind ist frisch und es zieht. Die Tür aber ist weit geöffnet... Sandro Frank ist Pastoralreferent im Dekanat Wittlich