Gleiche Chancen im Kindergarten

WITTLICH. Auch für Kindergartenkinder gibt es bei der Kreismusikschule ab September 2006 Sozial- und Familienermäßigungen. Außerdem ist nun klar: Der Verkauf der Kreismusikschule ist keine Option.

Verbessert Musik und Musikunterricht die Intelligenz? Dieses Phänomen, Mozart-Effekt genannt, ist in Fachkreisen mittlerweile umstritten. Und während die Musikpädagogik noch versucht nachzuweisen, dass Musik, Musizieren und Musikerziehung kognitive, kreative, ästhetische, soziale, emotionale und psychomotorische Fähigkeiten fördert, scheint laut Wikipedia zumindest eins relativ wahrscheinlich zu sein: Der Umgang mit Musik ist so früh wie möglich am nachhaltigsten und effektivsten. Um diesen ganz frühen Musikunterricht an der Kreismusikschule ging es auch im Kreistag. Das Gremium beschloss einstimmig, die Sozial- und Familienermäßigung ab September 2006 im elementaren Bereich einzuführen. Elementarer Bereich - das ist musikalische Früherziehung und vorinstrumentaler Unterricht in Kindergärten. Die Familienermäßigung beträgt 25 Prozent und die Sozialermäßigung 50 oder 100 Prozent, je nach Einkommen der Eltern. Bislang gab es diese Ermäßigungen nur für den Instrumental- und Gesangsunterricht. Mit der Ausweitung soll nun gewährleistet werden, dass alle Kinder, gleich welcher Herkunft, die gleichen Chancen zur Musikbildung in den Kindertagesstätten bekommen. Die Ermäßigung war ein Ergebnis eines umfassenden Prüfauftrags, den die Grünen vor einem Jahr initiiert und der Kreistag an den Ausschuss für Schulen und Kultur überwiesen hatte. Geprüft werden sollte zum Einen, wie Kindern aus sozial schwachen Familien der Zugang zum Musikunterricht ermöglicht werden kann. Aktuell beanspruchen ganze 4,5 Prozent der Schüler eine Sozialermäßigung. Zum Anderen wollten die Grünen die Kosten der Kreismusikschule senken - notfalls per Verkauf. 2005 hatte die Kreismusikschule ein Defizit von 500 000 Euro eingefahren.Hohes Ausbildungs- und Leistungsniveau

Landrätin Beate Läsch-Weber sagte: "Es ist alles Mögliche geprüft worden. Heraus kam, dass die Kreismusikschule unverzichtbar ist." Sie verfüge über ein hohes Ausbildungs- und Leistungsniveau und ein umfangreiches Angebot. Die Kreismusikschule arbeitet mit dem Kreismusikverband und dem Sängerkreis zusammen. 1305 Schüler erhalten in diesen drei Organisationen zusammen 673 Wochenstunden pro Jahr. Im Vergleich mit einer Privatschule ist die Kreismusikschule kostengünstiger. Ermäßigung gibt es bei den Privaten nicht. Die Schließung der Kreismusikschule ist laut Verwaltung schon aufgrund unkündbarer Anstellungen ein Problem. Weitere Verbesserungsvorschläge der Verwaltung, die zum Teil bereits umgesetzt wurden (der TV berichtete), sind eine verstärkte Zusammenarbeit mit den Ganztagsschulen, verstärkter Zugang zu den Kindertagesstätten, Einsparungen bei den Fahrtkosten. Der Initiator des Prüfantrags war zufrieden mit dem Ergebnis. Thomas Schmitt-Schäfer, Vorsitzender der grünen Kreistagsfraktion bedankte sich bei der Verwaltung und dem Ausschuss für Schulen und Kultur für die konstruktive Diskussion. "Das Ergebnis ist aus unserer Sicht ausgesprochen zufrieden stellend. Der Antrag ist in hervorragender Art und Weise abgearbeitet."