Gleiche Menge Strom aus weniger Windrädern

Gleiche Menge Strom aus weniger Windrädern

Das Vorzeigemodell in Sachen Windenergie, die Energielandschaft Morbach, verändert möglicherweise sein Gesicht. Denn ein Ingenieurbüro will prüfen, ob die 14 bestehenden Windräder durch sieben höhere und leistungsfähigere Anlagen ersetzt werden können.

Morbach. In der Energielandschaft Morbach stehen möglicherweise größere Veränderungen an. Das Mainzer Ingenieurbüro Wiwi Consult spielt mit dem Gedanken, die bestehenden 14 Windräder aus den Jahren 2002 und 2003 durch sieben neue Windräder zu ersetzen. Nach TV-Informationen hat das Unternehmen die Überlegungen in der jüngsten Sitzung des Morbacher Gemeinderats im nicht öffentlichen Teil vorgestellt. Doch sind diese Absichten dem aufmerksamen Beobachter schon vorher nicht verborgen geblieben.
Bereits für die öffentliche Sitzung des Ortsbeirates Rapperath Anfang Oktober war in der Morbacher Rundschau auf der Tagesordnung der Punkt "Weiterentwicklung der Energielandschaft Morbach/Repowering" angekündigt, wurde dann aber kurzfristig gestrichen. Unter dem Begriff Repowering versteht man das Ersetzen von alten Anlagen zur Energieerzeugung durch neue und leistungsfähigere Systeme.
Die Kreisverwaltung hatte bei der öffentlichen Anhörung zu den Windrädern am Ranzenkopf am 27. Oktober eine Karte gezeigt, auf der in der Energielandschaft lediglich sieben Windräder eingezeichnet waren.
Laut der Vorlage zu der jüngsten Ratssitzung, die dem TV vorliegt, hat das Gremium bereits in seiner Sitzung am 11. Juli 2016 beschlossen, dass die Gemeinde Verhandlungen mit Wiwi Consult aufnehmen soll. Der Gesamtzustand der Anlagen in der Energielandschaft ist laut der Vorlage zum Teil unbefriedigend. Es könne nicht garantiert werden, dass alle Anlagen bis zum geplanten Ende der Laufzeit in Betrieb sein werden, heißt es darin. Größere Reparaturen seien kurz vor Ende der geplanten Laufzeit im Jahr 2022 oft nicht mehr wirtschaftlich. Laut der Vorlage habe dies auch Einfluss auf die Pachtzahlungen. Demnach können die Verträge mit einer Frist von sechs Monaten zum Jahresende gekündigt werden, wenn die Anlagen nachweislich nur noch mit Verlust betrieben werden können.
Die neuen Anlagen sollen laut der Vorlage 229 Meter hoch werden. Die derzeitigen 140 Meter hohen Anlagen sollen komplett zurückgebaut werden - inklusive der Fundamente. Fünf bis sechs der neuen Anlagen könnten auf den Standorten der jetzigen Räder errichtet werden. Da die neuen größeren Anlagen leistungsfähiger sind, hätte der neue Windpark in etwa die gleiche installierte Leistung wie die bestehenden Anlagen.
Michael Böhm, Geschäftsführer von Wiwi Consult, bestätigt, dass es Untersuchungen gibt, ob ein Repowering möglich ist. "Wir sind derzeit in der Konzept- und Planungsphase", sagt er. Man wolle die Kommune frühzeitig mit ins Boot nehmen und habe deshalb mit der Gemeinde Kontakt aufgenommen. Die Anlagen würden komplett neu geprüft. Die Energielandschaft sei ein Vorzeigeprojekt. Der Anspruch von Wiwi Consult ist, dass wiederum ein Vorzeigeprojekt entwickelt werde, sagt Böhm. Deshalb sei die Entwicklung eines Konzeptes gemeinsam mit der Gemeinde wichtig.
Bürgermeister Andreas Hackethal bestätigt, dass Überlegungen für ein Repowering bestehen und dass es sich dabei um ein "interessantes, zukunftsfähiges Projekt" handelt. Allerdings sei noch nichts beschlossen. Der Gemeinderat habe entschieden, dass die Überlegungen weiter geprüft werden sollen.
Extra

Die Wiwi Consult GmbH und Co. KG ist am 1. Januar 2016 gegründet worden und hat ihren Sitz in Mainz. Es handelt sich dabei um ein Ingenieurbüro, das sich auf technische und kaufmännische Dienstleistungen im Bereich Windenergie spezialisiert hat. Das Führungsteam des Unternehmens war bereits bei anderen Windkraftunternehmen tätig und verweist auf seiner Homepage auf insgesamt 60 Jahre Erfahrung in der Windkraftbranche. cst

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