Globetrotter trotzen dem Abgasskandal

Weltenbummler-Treff in Enkirch : Globetrotter trotzen dem Abgasskandal

Am ersten September wollen die Weltenbummler in Enkirch ihr Jubiläumstreffen aufziehen. Die Angst vor Fahrverboten geht in der Szene dennoch um.

Anwohner und Gäste der Mittelmosel-Gemeinde können sich das Wochenende vom 30. August bis zum 1. September schon einmal im Kalender anstreichen. Dann sind erneut die Fernweh-Süchtigen auf dem Campingplatz in großer Zahl zu Gast. In diesem Jahr sogar aus besonderem Anlass. „Willys Fernreise-Mobiltreffen“ feiert 40. Geburtstag. In Enkirch werden die Globetrotter dann zum vierten Mal mit ihren großen Gefährten einrollen.

Die aktuellen Entwicklungen in Sachen Mobilität und deren Einschränkungen machen auch vor Menschen nicht halt, die mit ihren zum Teil expeditionsmäßig ausgerüsteten  rollenden Wohneinheiten nicht nur in Innenstädten unterwegs sind. Wer mit schweren Lastwagen, Zugmaschinen oder „rollenden Häusern“ die Welt bereist, der ist aus nachvollziehbaren Gründen (Wirtschaftlichkeit, Tank-Infrastruktur, motorische Vorteile)  mit einem Diesel unterwegs. Der Anteil von Wohnmobilen mit Ottomotor beträgt weniger als fünf Prozent.

Solche Leute müssen  zwar nur dann in die Innenstädte, wenn sie ihr  Fahrzeug dort abgestellt haben. Aber auf einer „Insel der Glückseligen“ fahren die Weltenbummler auch nicht. „Für viele von uns ist das Thema Diesel und Fahrverbote natürlich beunruhigend. Vor allem deshalb, weil man nicht weiß, wo die Grenze ist, wer davon betroffen sein wird und wie die Entwicklung mit dem Verbrenner und dessen Akzeptanz überhaupt weitergeht“, sagt Norbert Lüdtke vom Veranstalterteam. In Enkirch, bekräftigt er, „haben wir diese Problematik Gott sei Dank nicht. Aber viele von uns sind anderweitig betroffen.“

Der Wohnmobilmarkt boomt.  Etwa eine halbe Million sind derzeit in Deutschland zugelassen. Die meisten mit einem Dieselmotor. Und viele Halter sind verunsichert, weil sie sich vor den Auswirkungen möglicher  Fahrverbote fürchten. Das ist oft weniger vom Reiseziel als vom Wohnort abhängig. Lüdtke beschreibt die ungewisse Lage bei vielen Freunden und Womo-Besitzern plakativ: „ „Das  kann verheerende Auswirkungen haben. Wer beispielsweise in einer Fahrverbotszone wohnt, der darf künftig womöglich nicht einmal mehr zum Be- und Entladen an die eigene Haustür fahren.“

Noch ist es fast ein dreiviertel Jahr bis zum Jubiläumstreffen in Enkirch. Ob sich die Ungewissheit wegen des Themas eventuell auch auf das Jubiläumstreffen an der Mosel auswirkt, sei deshalb (noch) nicht abzusehen. „Das ist ja in Enkirch eine internationale Veranstaltung. Aber es kann schon sein, dass deutsche Fernreisende aus den bekannten aktuellen Gründen über ihr Hobby nachdenken.“

Dessen ungeachtet sei  die Reaktion auf das 39. Fernreisemobiltreffen im vergangenen Jahr von Seiten der Organisatoren wie auch von der Gemeinde Enkirch „überwältigend positiv“ gewesen.  Ende des Jahres sei das achte Video beim Veranstalter-Team vom Treffen 2018 eingegangen. Mittlerweile sind auf der Internet-Seite www.Willys-Fernreisemobiltreffen.de über 80 Minuten an Videos und zahlreiche Foto-Galerien  eingegangen.

Die Globetrotter, die Gemeinde und die Enkircher Vereine haben in der relativ kurzen Zeit der Treffen offenbar schnell zueinander gefunden. Ortsbürgermeister Roland Bender berichtet von einer „sehr angenehmen Form der Zusammenarbeit und gegenseitigem Verständnis.“ Die anfängliche Scheu und Skepsis gegenüber den ungewohnten Abenteurern und Weltenbummlern sei schnell „großer Neugierde und Interesse“ gewichen. Lüdtke als Sprecher des Veranstalterteams freut sich über viel Hilfe und Entgegenkommen von Enkircher Seite: „Ob das die Mitglieder des Gemeinderats, die Mitarbeiterinnen der Tourist-Info, des Bauhofs oder der Feuerwehr sind: „Sie alle tragen mit viel Engagement zum Gelingen unserer Veranstaltung bei.“

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